Neue Produkte und Service-Tools – Rückblick auf die Industrieausstellung (Teil 1)


Neue Mitspieler bei Pro3dure

Als neue wichtige Bausteine der pro3dure-Prozessketten wurden auf der EUHA 2017 erstmals der 3D-Drucker Asiga Max in Kombination mit der Hightech-Nachhärteeinheit CD-2 vorgestellt. Diese beiden Teamplayer bieten maximale Produktivität bei minimalem Platzbedarf zu einem aktuell unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis. Die Asiga Max bietet mit einer xy-Auflösung von 62 µm und einer 385 nm UV-Bestrahlungsquelle professionelle Bauqualität auf höchstem Niveau. Mit diesem Allrounder können das komplette Materialportfolio der Firma pro3dure genutzt und somit alle im Labor anfallenden Aufgabenstellungen bearbeitet werden. Den perfekten Mitspieler in der pro3dure Prozesskette stellt laut Geschäftsführer Dr. Martin Klare die Nachhärteeinheit CD-2 dar. Abgestimmt auf die neueste Generation von 3D-Druckern zeichnet sich die CD-2 durch aktuellste LED-Belichtungstechnologie mit unterschiedlichen Wellenlängen aus. Eine ausgeklügelte Sensorik in Kombination mit diversen Smartfunktionen überwacht konstant den Schutzgasfluss und die Strahlungsleistung. Zusätzlich lässt sich die Einheit über Wifi mit 3D-Druckern koppeln, um QM-relevante Daten wie Belichtungsparameter, Anwender etc. zu übermitteln.  Neben diesen Highlights konnten Kunden die weiteren Ergänzungen des pro3dure Materialportfolios am Stand begutachten. So ist die GR-Serie nun um mehrere Farbtöne für Otoplastiken erweitert worden und weitere Farben des Lackes L-1 für IEM Anwendungen erhältlich. Entsprechend gab sich Geschäftsführer Dr. Martin Klare bereits am zweiten Messetag sehr zufrieden. „Wir waren uns schon im Vorfeld der EUHA 2017 darüber bewusst, dass unsere Neuheiten gut bei unseren Kunden ankommen würden. Mit einem solchem Andrang haben wir auf dem Kongress jedoch nicht gerechnet. Wir sind aus den Gesprächen gar nicht mehr herausgekommen.“ 


Neuheiten für die „Muse“- und die „Halo“-Familien bei Starkey 

Der Messestand von Starkey Hearing Technologies in Halle 4A gehört an allen drei Tagen zu den gut frequentierten. Ständig befinden sich die deutschen Mitarbeiter in Kundengesprächen. Zudem sind große Teile der Unternehmensspitze aus Eden Prairie, Minnesota, angereist, darunter President Brandon Sawalich, Chief Technology Officer Achin Bhowmik Ph. D. sowie Gründer und CEO William „Bill“ Austin. Ebenfalls aus den USA nach Nürnberg gekommen ist Jason Galster Ph. D. Der Senior Manager of Audiology Research bei Starkey hat den Weg zum 62. Internationalen Hörakustiker-Kongress auf sich genommen, um am Donnerstag und Freitag je einen Vortrag im Rahmen des Kongressprogrammszu halten. Aber auch am Starkey-Stand kann man ihn treffen, wo er, zusammen mit der deutschen Produktmanagerin Sylvie Gerber, Fragen zu aktuellen und kommenden Produkten beantwortet. So präsentiert der amerikanische Hersteller zum Beispiel für seine „Muse“-Produktfamilie eine neue Kategorie im High-End-Einsteigersegment. Damit deckt die Reihe nun fünf Technologiestufen ab.

Ebenfalls neu in der „Muse“-Familie ist ein kleines RIC-System. Für sie präsentiert Starkey ein kleines neues 312er RIC. Und auch die „Halo 2“-Reihe bekommt Zuwachs und ist in dem kleinen 312 RIC-Gehäuse in fünf Technologiestufen verfügbar. „Das System verbindet sich direkt mit dem iPhone oder mit Android-Geräten“, erklärt Jason Galster. Gehe es allein um Daten, sei es „Made for All“. Audiodaten jedoch lassen sich weiterhin nur mit iOS-Geräten direkt streamen. Mit der entsprechenden App lässt sich das Smartphone freilich auch als Fernbedienung nutzen. Zudem wurde die App in ihrer Funktionalität erweitert, etwa mit „On Demand Noise Control“. „Drückt man in der App diese Taste, werden alle Noise-Management-Features mit voller Kraft aktiviert“, erzählt Jason Galster. Und auch ein Finetuning seiner Hörsysteme könne der Endkunde über die App vornehmen. Die Einstellungen lassen sich abspeichern. GeoTagging lässt sich ebenfalls mit der App realisieren.


Hielt im Rahmen des Kongressprogramms zwei Vorträge und präsentierte überdies die Starkey-Neuheiten am Messestand: Jason Galster Ph.D., Senior Manager of Audiology Research

Neben diesen neuen Produkten erhält man bei Starkey auch einen Ausblick auf Kommendes. „Dabei handelt es sich um Updates für unsere Synergy-Plattform, die wir im vergangenen Jahr vorgestellt haben“, setzt Jason Galster an. Die Weiterentwicklungen bestehender Plattformen nennt man bei Starkey „iQ“ und stehen in diesem Fall unter der Überschrift Acuity Immersion. So kündigt der Senior Manager of Audiology Research etwa neue Features für die „Muse“-Familie an, die das räumliche Hören weiter verbessern – auch für die CIC- und IIC-Systeme. Dafür verschiebt ein Algorithmus wertvolle Informationen aus den hohen Bereichen zwischen 8 und 10 KHz in niedrigere Bereiche, wo sie für den Kunden wieder hörbar sind. „Das gab es vorher für CIC- und IIC-Geräte nicht“, sagt Jason Galster. In Deutschland verfügbar sein werden die neuen „iQ“-Systeme von Starkey voraussichtlich im März 2018.
 


texteIn seinem Vortrag am heutigen Donnerstagvormittag hat Jason Galster hingegen nicht über Starkey-Produkte gesprochen. „Auf der Suche nach Spezifizierung kognitiver Screeningverfahren: MoCA vs. PNT“ stand für 11.00 Uhr auf dem Programm. Im Gegensatz zu einem Mitbewerber interessiert sich Jason Galster zwar dafür, die kognitiven Fähigkeiten von Endkunden bei der Anpassung zu berücksichtigen, setzt in seiner Forschung aber früher an. So geht es ihm darum, den Endkunden im Beratungsgespräch besser einschätzen zu können. „Die kognitiven Fähigkeiten des Kunden sollten unseren Umgang mit ihm bestimmen“, postuliert Galster. Habe er einen Kunden vor sich, der kognitiv stark ist, würde er mit ihm ein Gespräch führen wie wir hier auf der Messe. Er würde mit ihm über Technik sprechen und Zubehör empfehlen, weil er davon ausgeht, dass der Kunde damit etwas anfangen kann. Kognitiv weniger starke Kunden würde Galster dagegen langsamer an die Themen führen und immer darauf achten, sie inhaltlich nicht zu überfrachten. „Das kann jeder Akustiker schon morgen umsetzen“, sagt Jason Galster. Zudem würde es Termine sparen und das Erlebnis des Kunden verbessern. Der Königsweg für ein solches Screening sei aber noch nicht entdeckt worden. „Da wird sich noch einiges bewegen müssen“, fasst Jason Galster zusammen. Potenzial sieht er im MoCA-Test. „Da gibt es einige Punkte, die uns weiterhelfen könnten“, sagt er. Wer sich hierzu sowie zu audiologischen Themen auf dem Laufenden halten möchte, der kann das im Übrigen auf Jason Galsters Blog tun. Hier fasst er regelmäßig verschiedene wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die Audiologie in vergleichsweise einfacher Sprache zusammen.  

IAS nutzt Fachausstellung, um Preise zu verleihen
Zwischen den Messeständen herrscht am gesamten Donnerstag dichtes Gedränge. Unter den vielen Besuchern aus Deutschland und aller Welt sind heute auch Jürgen Leisten und Tannassia Reuber unterwegs. Die beiden Geschäftsführer des Individual Akustiker Service (IAS) tragen große Bilderrahmen mit sich herum. Darin eingerahmt sind die Urkunden für den von der Gemeinschaft ausgelobten Preis „Goldene Concha“, der 2016 ins Leben gerufen wurde. Um kurz vor 12.00 sind die beiden mit einigen ihrer Mitglieder auf dem Weg zum Stand von Oticon. Der Hersteller erhält 2017 die goldene Concha in der Kategorie „RIC“. Damit haben die Dänen ihren Titel in dieser „hart umkämpften“ Kategorie, wie Jürgen Leisten betont, verteidigt. Schon im vergangenen Jahr hatte das Opn die IAS-Mitglieder, die über die Gewinner der „Goldenen Concha“ abstimmen, von allen RIC-Systemen am meisten überzeugt. Weitere Auszeichnungen der IAS gingen an Starkeys „Muse“ in der Kategorie „HdO“, an ReSounds „LiNX 3D“ in der Kategorie „Produkt-Familie“, an Starkeys „SoundLens Synergy“ in der Kategorie „IdO“, Phonaks „Naída“ in der Kategorie „Power“ und an „Sky“ in der Kategorie „Kinder“. Zudem erhielt „Perfect Dry Lux“ die „Goldene Concha“ in der Kategorie „Trockenbox“. Den Sonderpreis als bester Hersteller erhielt zum zweiten Mal Starkey.

Hier geht es zum zweiten Teil der Messenachlese: KLICK


Tannassia Reuber, Torben Lindø – Oticon gewann zum zweiten Mal die „Goldene Concha” der IAS-Mitglieder für das beste RIC-System