Hearing Loss – Numbers and Costs

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Mit versorgtem Hörverlust ist man weniger von Arbeitslosigkeit bedroht (Foto: © Monika Wisniewska/fotolia.com)

Rund 13 Jahre sind seit dem ersten Report von Bridget Shield vergangen. Nun veröffentlicht hear-it AISBL die zweite von der Britin angefertigte Studie, die erneut der Frage nachgeht, was unversorgte Hörverluste eine Volkswirtschaft Jahr für Jahr kosten. Der Betrag, den die emeritierte Professorin errechnet hat, übersteigt das gesamte Jahresbudget der Europäischen Union. Die Ergebnisse der Studie wurden am heutigen 6. März im EU-Parlament in Brüssel anlässlich des Welttags des Hörens vorgestellt. 

Die ersten Daten, die das Portal hear-it.org aus der neuen Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“ zur Verfügung stellt, haben es bereits in sich. So schlügen unversorgte Hörverluste in sämtlichen Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) mit insgesamt 185 Milliarden Euro zu Buche. Damit liegt der so entstandene Schaden etwa 25 Milliarden Euro über dem gesamten EU-Haushalt für das Jahr 2018. Nicht in der Summe enthalten sind Kosten für etwaige weiterführende Behandlungen, die durch länger unversorgte Hörverluste notwendig werden könnten. 

„Die Studie führt uns deutlich vor Augen, dass unversorgte Schwerhörigkeit ein erhebliches und weit verbreitetes Gesundheitsproblem darstellt, das eine immense ökonomische und soziale Auswirkung auf unsere Gesellschaft hat“, kommentiert Kim Ruberg, Generalsekretär der internationalen, nicht kommerziellen Organisation hear-it AISBL, die den Report in Auftrag gegeben und veröffentlicht hat. Ziel von hear-it AISBL ist das Sammeln, Auswerten und Verbreiten aktueller wissenschaftlicher Informationen und relevantem Wissen zum Thema Schwerhörigkeit, ihren menschlichen und sozioökonomischen Folgen und Behandlungsmöglichkeiten. Zu den Mitgliedern zählen der internationale Schwerhörendenbund IFHOH, der europäische Schwerhörendenbund EFHOH, der A.E.A. (Association Européenne des Audioprothésistes) sowie Unternehmen der Hörgeräte-Industrie. Für die Studie verantwortlich zeichnen die emeritierte Professorin Bridget Shield sowie ihr Kollege Professor Mark Atherton. Beide sind respektive waren an der Brunel University in London tätig. Shield war zudem als Professorin für „Acoustics“ an der School of The Built Environment and Architecture at London South Bank University beschäftigt. Sie verfügt über einen Master of Science in Mathematik, promovierte über das Vorhersagen von Lärmpegeln in Fabriken und ist Autorin eines Reports für das britische Gesundheitsministerium über die Auswirkungen von Umweltlärm auf die Gesundheit. Zudem ist Bridget Shield Mitglied der British Society of Audiology sowie der Acoustical Society of America. 2006 hatte sie im Auftrag von hear-it AISBL die Studie „Evaluation of the Social Economic Costs of hearing Impairment“ angefertigt und veröffentlicht. 


 Zeichnet für den Report „Hearing Loss – Numbers and Costs" verantwortlich: Prof. em. Bridget Shield
Die neue Studie „ Hearing Loss – Numbers and Costs“ geht von 34,4 Millionen Menschen in der EU aus, die einen Hörverlust von > 35 dB auf dem besseren Ohr haben, davon seien 22,6 Millionen nicht versorgt. Heruntergerechnet auf den einzelnen Unversorgten bedeutet das: Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch eine Person mit einem unversorgten Hörverlust entstehe, liege bei rund 8.200 Euro pro Jahr. Die Summe setzt sich zusammen aus den Kosten, die aus einer schlechteren Lebensqualität resultieren sowie aus der höheren Arbeitslosenrate bei unversorgten Schwerhörenden.

Die Metastudie, für die nach Angaben von hear-it.org Hunderte wissenschaftliche Studien und Artikel aus den letzten beiden Dekaden ausgewertet und verglichen wurden, bricht die Ergebnisse auch auf einzelne Mitgliedsstaaten der EU herunter. So verursachten unversorgte Hörverluste in Deutschland Kosten von 29 Milliarden Euro, und zwar jährlich. Zusätzliche 10 Milliarden Euro Schaden entstünden durch die so entstehende niedrigere Produktivität. Damit schlügen allein in Deutschland unversorgte Hörverluste mit 39 Milliarden Euro zu Buche.


Warnt vor den sozialen und ökonomsichen Auswirkungen von unversorgten Hörverlusten: hear-it AISBL-Generalsekretär Kim Ruberg
Aus der Studie geht jedoch auch hervor, dass das Nutzen von Hörsystemen und anderen Hörlösungen das Wohlbefinden und damit die Lebensqualität schwerhörender Menschen steigere. So gaben Nutzer von Hörsystemen etwa an, dass sich ihre Versorgung positiv auf ihre Lebensqualität und ihre familiären Beziehungen ausgewirkt hätten. Zudem schliefen sie besser, fühlten sich generell gesünder und seien weniger erschöpft. Darüber hinaus stellt die Studie heraus, dass Menschen mit einem unversorgten Hörverlust im Job weniger Geld verdienten, die Wahrscheinlichkeit einer Arbeitslosigkeit doppelt so hoch sei wie bei Normalhörenden und Versorgten und dass man mit einem unversorgten Hörverlust früher in den Ruhestand gehe. Im Falle eines unversorgten Hörverlusts drohe überdies soziale Isolation. Außerdem sei die Wahrscheinlichkeit, eine Depression oder gar eine Demenz zu entwickeln, ebenfalls höher. 

„Der Report zeigt, dass ein Hörverlust wegen der damit einhergehenden niedrigeren Lebensqualität und geringerer Produktivität in Zusammenhang mit sehr hohen Kosten für die Gesellschaft steht“, kommentiert Bridget Shield. „Daher ist es sehr wichtig, aus Sicht sowohl der Betroffenen als auch aus Sicht der Gesellschaft insgesamt, einen Hörverlust so früh wie möglich zu erkennen und Hilfe bereitzustellen.“ Zumal Prävention und Versorgung von Hörverlusten deutlich weniger kostenintensiv wären als der Schaden, der bei Nichtstun entsteht.