Audioversum: Hören zum Anfassen

Gewicht erhält das Thema Hören ja meist erst, wenn eine Hörminderung eintritt und die Lebensqualität zu leiden beginnt. Um für mehr Aufklärung zu sorgen, lädt seit dem 1. Februar das „Audioversum“ Besucher in die Welt des Hörens ein. Das von Med-El initiierte Science Center zeigt im Rahmen einer interaktiven Ausstellung, wie der menschliche Hörsinn funktioniert und verspricht auf über 1.000 Quadratmetern Fläche kleinen wie auch großen Besuchern außergewöhnliche Hörerlebnisse. Wer also zum Beispiel wissen möchte, was der Herzschlag einer Ameise mit dem Ohr zu tun hat, der sollte nach Innsbruck fahren.

In der Innenstadt herrscht reges Treiben. Kirchenglocken läuten, eine Straßenbahn bimmelt, zahlreiche Autos durchqueren die Stadt. Plötzlich hört man das Klappern von Pferdehufen auf dem Kopfsteinpflaster und man bemerkt, wie überall gesprächige Menschen vorbeihuschen. Der Beginn der neuen Innsbrucker Ausstellung, des Audioversums, wird künftig noch viele Besucher überraschen, wenn sie die sogenannte „Klangtreppe“ hochschreiten. Denn jeder Schritt auf einer Stufe löst neue Geräusche aus, die unser Gehirn bloß verarbeiten kann, weil sie diesem vertraut sind.

„Sie können im Audioversum auf eine Reise durch akustische Landschaften gehen, die sonst oft nur sehr unbewusst wahrgenommen werden, und entdecken dabei das eigene Sinnesorgan neu“, erklärte Dr. Eckhard Schulz, der das Projekt initiierte und realisierte, bei der offiziellen Eröffnung am 30. Januar, nachdem Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer gemeinsam mit Dr. Ingeborg Hochmair das symbolische rote Band durchgeschnitten hatte.

Rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren an diesem Tag in die Wilhelm-Greil-Straße gekommen, um die neueste Attraktion Innsbrucks zu bestaunen, und trafen auf eine höchst zufriedene Dr. Ingeborg Hochmair. „Mit dem Audioversum wollen wir die Öffentlichkeit über das Thema Hören informieren und dessen Bedeutung für das tägliche Leben unterstreichen. Wir sind sehr stolz auf den erfolgreichen Projektverlauf und unsere technologisch anspruchsvollen Installationen und Exponate“, sagte die Unternehmensgründerin während der Einweihung.

Nach 18 Monaten Planungs- und Entwicklungsarbeit ist seit dem 1. Februar das neueste Med-El- Projekt auch für die Allgemeinheit zugänglich. Das Gebäude, das in der Innsbrucker Stadtmitte direkt am Landhausplatz liegt und in dem zuvor ein Kino untergebracht war, wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Innsbruck vom österreichischen Spezialisten für Hörimplantatlösungen komplett um- und neugebaut. Trotzdem befindet sich dort nicht nur die neue Welt des Hörens. Das neue Science-Center teilt sich das Gebäude mit einem Theater.

Mit knapp 1300 m² erhält die Firma Med-El für das Audioversum im Erdgeschoß und im ersten Stock den Großteil der zur Verfügung stehenden Gebäudefläche, in dem Ausstellungsräume, ein Vortragssaal, ein Workshop- Bereich sowie mehrere Büros untergebracht sind. Im Untergeschoß befindet sich das Theater, das für den Verein „Freies Theater Innsbruck“ entstanden ist. Es umfasst 650m² und bietet, neben einem zusätzlichen Proberaum, in dem multifunktionalen und hochmodernen Saal Platz für bis zu 170 Besucher/innen. Verbunden werden die beiden Kultureinrichtungen durch ein gemeinsames Foyer, in dem sich die CaféBar befindet. Die Baukosten des Gesamtprojekts beliefen sich auf circa 3,2 Millionen Euro. Davon flossen insgesamt zwei Millionen Euro in das Audioversum, dessen Kosten überwiegend von Med-El getragen werden. Obwohl das Land Tirol ein Viertel der Investition übernommen hat und sich die Stadt Innsbruck in den ersten drei Jahren jährlich mit 175.000 Euro beteiligt, wird sofort deutlich, welchen Stellenwert Med-El dem Audioversum zuschreibt.

Nicht umsonst betonte an diesem Abend Med-El-Unternehmensgründerin Dr. Ingeborg Hochmair: „Dem Gehör wird oft nur wenig Bedeutung geschenkt, obwohl es ein unglaublich faszinierendes Sinnesorgan ist. Wir wollen an unserem Wissen teilhaben lassen und unseren Beitrag leisten, es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

Science Center

„Das außergewöhnliche Konzept von Theater und interaktiver Ausstellung bewirkt eine Aufwertung des Standorts“, freut sich ebenso Innsbrucks Bürgermeisterin Oppitz-Plörer, die sich von Beginn an sehr für die Realisierung des Projekts einsetzte: „Sowohl die Firma Med-El als auch die freie Theaterszene finden hier in Innsbruck optimale Bedingungen vor, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.“ Doch was ist ein interaktives Hörmuseum und ein Science-Center?

Science Center werden oftmals mit Technikmuseen gleichgesetzt, was genau genommen nicht ganz korrekt ist. Obwohl die Kernaufgaben beider gleich sind, also das Sammeln, Bewahren, Forschen und Ausstellen, änderte die Einführung des ersten Science Center die Art der Vermittlung von Wissen.

Mit der Gründung des ersten Science Centers 1969, dem Exploratorium in San Francisco, wurde die Ausstellungskonzeption moderner Museen grundlegend geändert. Dessen erster Direktor Frank Oppenheimer, Bruder des weltbekannten Atomphysikers Robert Oppenheimer, verfolgte das Ziel, Aufklärung über die moderne Wissenschaft und Technik zu schaffen, indem Besucher zur eigenständigen und aktiven Auseinandersetzung angeregt werden. Seither folgte allein in den USA die Gründung von über 300 Science Centern.

Auch die Konzeption des neuen Innsbrucker Science Center legt großen Wert auf eine eigenständige Auseinandersetzung. „Das Audioversum vermittelt auf interaktive Weise das Thema Hören und soll den Besuchern auf spielerische Art diese, für die Erfassung unserer Wirklichkeit so wichtige Sinneswahrnehmung, näherbringen“, erklärte Dr. Ingeborg Hochmair am Eröffnungsabend. „Das Ziel, das mit dem Audioversum verfolgt wird, ist die verstärkte Aufklärung über die Bedeutung des Hörens für die Kommunikation, Lebensqualität und Entwicklung des Menschen“, hält ebenso Dr. Eckhard Schulz an diesem Abend fest und fügt hinzu: „Hier können wir dieses Ziel in idealer Weise umsetzen. Dies gilt ebenso für mehr Aufklärung über Hörschädigungen und deren Therapiemöglichkeiten.“Der ehemalige Geschäftsführer von Med-El Deutschland Schulz spielte schon lange mit dem Gedanken, eine Ausstellung zu organisieren, die einerseits physiologisch-wissenschaftliche Vorgänge im menschlichen Ohr und Gehirn näher bringen und andererseits verschiedene Erkrankungen des Hörsinns erlebbar machen. „Die Aufklärung von Kindern und Jugendlichen, die mit ihren MP3-Playern ständig laute Musik hören und sich mit Ohrstöpsel über 100 Dezibel reinpusten, ist eines unserer Anliegen“, begründet Dr. Eckhard Schulz die Motivation für das Audioversum. „Hier erleben sie, was passiert, wenn Menschen anders oder gar nicht hören.“