Meuser, Teigeler, Stamer von GN Hearing im Gespräch: "Wir bleiben Partner auf Augenhöhe"

INTERVIEW


„Wir bleiben Partner auf Augenhöhe” – beim Gespräch mit Jochen Meuser, Marina Teigeler und Kay Stamer von der GN Hearing GmbH (von li. nach re.) (Foto: GN Hearing)

Das 150-jährige GN-Jubiläum, eine neuartige Zwei-Marken-Strategie, das weltweit erste, direkte Android-Hörgerätestreaming auf Basis von Bluetooth Low Energy … – bei der GN Hearing gab es im vergangenen Jahr zahlreiche Highlights und News. 

Doch wie fällt die Bilanz der Münsteraner für 2019 aus? Und was können wir im neuen Jahr von ihnen erwarten? Wir trafen uns mit Geschäftsführer Jochen Meuser, mit Marina Teigeler, Direktorin Marketing und Produkt-Management, sowie mit Kay Stamer, dem Sales Director der GN Hearing GmbH.


Herr Meuser, Frau Teigeler, Herr Stamer, Jahreswechsel sind immer ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken und nach vorne zu schauen. Lassen Sie uns mit dem Rückblick auf 2019 einsteigen. War es ein gutes Jahr für die GN Hearing?
Jochen Meuser:Das war es sicherlich. Der deutsche Hörakustik-Markt ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen, sogar mehr als erwartet. Wir konnten mit tollen Produkten überzeugen, insbesondere mit unserem ReSound LiNX Quattro. Und wir haben dementsprechend vom Wachstum profitiert. Für uns war das absolut positiv. Hinzu kamen mehrere Highlights; nicht nur ein erfolgreicher Auftritt beim EUHA-Kongress in Nürnberg, sondern auch unser großes Jubiläum. Gemeinsam mit Kunden und Wegbegleitern haben wir 150 Jahre GN gefeiert. Wir haben daran erinnert, dass unser Firmengründer Carl Frederik Tietgen vor 150 Jahren begann, seine Vision von einer vernetzten Welt umzusetzen. Er hat ja ab 1869 die erste Telegrafen-Verbindung von Nordeuropa quer durch Sibirien und bis nach China gebaut. Und er war damit ein Vorreiter der modernen Kommunikationsgesellschaft.

Marina Teigeler:Eine beeindruckende Story! Das Jubiläum war auch für uns selbst ein Anlass, die Geschichte unseres Unternehmens neu zu entdecken. Es ist schon faszinierend, wie GN dank seiner Innovationskraft immer wieder erfolgreich war und ist. Dieser Mut zum Neuen prägt uns ja bis heute. Und das gilt nicht nur für die Entwicklung innovativer Produkte. Neuland haben wir im letzten Jahr zum Beispiel auch mit unserer Zwei-Marken-Strategie betreten.
 
Wofür steht diese Strategie? Worauf zielt sie ab?
Kay Stamer:Um jeden einzelnen unserer Hörakustik-Partner vor Ort noch intensiver betreuen zu können, haben wir den GN Außendienst Anfang 2019 neu strukturiert. Aus vormals acht wurden zehn entsprechend kleinere Vertriebsgebiete. Die werden nun von zehn Gebietsleitern betreut. Und wir bieten etwas, was es bislang bei keinem Hersteller gab: Bei uns erhalten die Hörakustiker nun zwei Marken aus einer Hand – ReSound und Interton.

Jochen Meuser: Zu Beginn waren diese Änderungen schon eine Umstellung – sowohl für das Sales-Team als auch für unsere Kunden. Uns wurde nochmals bewusst, wie unterschiedlich die Positionierung der beiden Marken ReSound und Interton in den zurückliegenden Jahren war. ReSound ist weitaus bekannter. Mit ReSound verbinden die Kunden technologische Innovationen, smartes Hören und vieles mehr. Die Marke Interton steht für ein deutsches Traditionsunternehmen, sie spielte aber lange keine große Rolle mehr. Inzwischen jedoch sehen immer mehr Kunden die Vorteile, die ihnen unsere neue Strategie und die zusätzliche Marke Interton bieten.
 


Bildunterschrift: Feier zu 150 Jahren GN in Kopenhagen – mit Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Hörgeräte-Industrie (BVHI), Ursula Sombetzki-Günter, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Meditrend, Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörakustiker (biha), Jochen Meuser, Geschäftsführer der GN Hearing GmbH, Eva Keil-Becker, Vizepräsidentin der Europäischen Union der Hörakustiker (EUHA), und Andreas Bögl, Präsident des Fachverbands Deutscher Hörakustiker (FDH) (von li. nach re.) (Foto: Schaarschmidt) 


Was für Vorteile sind das?
Kay Stamer:Gerade zahlreiche kleine, unabhängige Betriebe erleben Interton als tolles Plus, mit dem sie sich im lokalen Wettbewerb differenzieren können. Das gilt insbesondere für Standorte, an denen sich viele, auch große Anbieter tummeln. Mit Interton hebt man sich ab. Die Marke eröffnet zusätzlichen Spielraum. Die Produkte bieten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, sie reichen vom unteren bis zum mittleren Segment. Und auch mit Interton kann ich Hörgeräte-Kunden 2,4 GHz-Anbindung bieten, sogar Made for iPhone ist möglich.

Jochen Meuser:Diese Produkte unterscheiden sich klar von den ReSound-Geräten, optisch und in der Technik. Von ReSound wird es in diesen Segmenten natürlich auch weiterhin Lösungen geben. Unsere Partner haben jetzt also deutlich mehr Auswahl aus einer Hand.

Kay Stamer:Die Preisklassen, in denen Interton Produkte zur Verfügung stehen, entsprechen 60 bis 70 Prozent des deutschen Hörgeräte-Marktes. Die Produkte haben super Technologie, sie sind auf dem aktuellen Stand. Hinzu kommt eine Software, die auch dem anspruchsvollen Hörakustiker das gewünschte Spektrum an Einstellmöglichkeiten bietet. Andererseits kann man mit dieser Software sehr schnell starten: Alles ist auf Deutsch und sehr intuitiv; wer mit der ReSound-Software vertraut ist, wird sich ohnehin sofort zurechtfinden. Die Resonanz von Seiten der Akustiker ist sehr positiv. Mittlerweile kommen sie proaktiv auf uns zu. Sie haben durch Kollegen von Interton erfahren und wollen mehr wissen. Sie sind dankbar für die Chance, noch etwas wirklich anderes anbieten zu können. Und sie sehen noch weitere Vorteile.
 
Welche?
Kay Stamer:Dass man für beide Marken einen festen Ansprechpartner hat, das macht es sehr effektiv. Zudem kann ich für beide die gleichen Hörer und das gleiche Zubehör nutzen. Das ist nicht nur bei der Kundenberatung ein Vorteil, sondern auch für Lager und Logistik. Und auf dem e-Commerce-Portal meingnresound.de kann man jetzt bequem online bestellen – sowohl für ReSound als auch für Interton. Marketing-Angebote finde ich dort ebenfalls für beide Marken.

Marina Teigeler: Nicht zu vergessen der Vorteil, dass ich zwei attraktive Marken habe, die sich klar voneinander unterscheiden, und mit denen ich unterschiedliche Zielgruppen erreichen kann. Es sind ja nicht allein die verschiedenen Produkte. Gleichfalls geht es darum, zwei Marken strategisch nebeneinander zu führen, sie somit auch klar voneinander abzugrenzen. Für uns als Hersteller ist das durchaus eine Herausforderung. Doch wenn wir die meistern, bringt das den Hörakustikern zusätzliche Möglichkeiten. Mit unserem Ansatz können wir das Profil der jeweiligen Marke in Abgrenzung zur anderen noch stärker herausarbeiten. Die Hörakustiker können dadurch verschiedene Adressatengruppen noch gezielter ansprechen. Die Marke Interton steht klar für Value for Money. Die Interton-Markenwelt wurde völlig neu kreiert. Interton ist frisch, frech, bodenständig, jung. Die Marke ReSound hingegen steht seit ReSound LiNX Quattro mehr denn je für höchste Wertigkeit. Das ist eine Positionierung, die dem Wunsch vieler Hörakustik-Partner entspricht und die wir mehr denn je betonen werden. ReSound, das sind Lösungen State oft the Art wie das LiNX Quattro.
 
Der Fokus liegt bei ReSound also klar auf Premium-Marke?
Jochen Meuser:ReSound ist Premium. Das ReSound LiNX Quattro 9 positionieren wir sogar als Premium Plus. Es steht sozusagen als Klasse für sich. Das System bietet bestes Hören mit neuartigen Klangebenen und einen neuen Chip mit 100 Prozent mehr Rechenleistung, es reagiert noch deutlich spontaner, der Speicher wurde verdoppelt, es hat Spatial Sense, nutzt eine Impulsschall-Unterdrückung, und das Frequenzband reicht bis zu zehn Kilohertz. Es hat aktuell den höchsten Eingangsdynamikbereich, damit klangliche Vorteile, die klar erlebt werden – etwa in Vergleichstests mit Musikliebhabern.

Kay Stamer:Hinzu kommt, dass das System erstmals direktes Android-Soundstreaming für Hörgeräte mit Bluetooth Low Energy (BLE) ermöglicht. Mit dem neuen Android-Protokoll Audio Streaming for Hearing Aids (ASHA) lässt sich jeder Sound auch von kompatiblen Android Mobilgeräten in vollem Umfang streamen. Wie zuvor schon mit Apple sind wir in unserer Partnerschaft mit Google neue Wege gegangen. Unsere angestammte Position als Innovationsführer für smartes Hören haben wir einmal mehr verteidigt. Dank der mittlerweile sechsten Generation unserer Konnektivität auf Basis von 2,4 GHz bieten wir dem Kunden beste Streaming-Qualität, und das ohne Kompromisse. Außerdem hat das System eine Akku-Lösung, deren Leistungsfähigkeit ein Alleinstellungsmerkmal ist.
 


„Die Marke ReSound steht seit ReSound LiNX Quattro mehr denn je für höchste Wertigkeit.” Messeauftritt von ReSound beim EUHA-Kongress (Foto: Gillert)

Inwiefern?

Kay Stamer:Selbst wenn man sehr, sehr viel streamt, permanent telefoniert oder Musik hört, scheint sich das kaum nachteilig auf die Akku-Leistung auszuwirken. Sie reicht dann immer noch für 24 Stunden. Und mit dem vollen Lade-Etui habe ich bis zu 96 weitere Stunden zum Nachladen für unterwegs. Hinzu kommen das schöne Design und die ausgeklügelte Haptik des Lade-Etuis. Die Handhabung ist absolut intuitiv. In unseren Tests bekamen Probanden die Aufgabe, die Ladestation ohne jede Anleitung zu nutzen. Sie konnten das innerhalb weniger Sekunden. Fehler in der Handhabung sind nahezu ausgeschlossen. Selbst wenn man linkes und rechtes System beim Einsetzen in das Lade-Etui verwechseln sollte – es wird komplett induktiv geladen, auch in so einem Fall.
 
2019 haben Sie ReSound LiNX Quattro in mehreren neuen Varianten vorgestellt …
Kay Stamer:Eine wichtige Erweiterung des letzten Jahres war sicherlich die 5er Version. Sie verkauft sich sehr, sehr gut. Die führende Akku-Lösung des Marktes bereits ab der Mittelklasse – schon das allein ist ein starkes Verkaufsargument. Zudem kann ReSound LiNX Quattro nun auch in komfortablen Im-Ohr-Bauformen angepasst werden – gleichfalls mit den neuen Anbindungsoptionen. Auch hier profitiert man von der herausragenden audiologischen Qualität. Die LiNX Quattro IdO stehen zudem für eine ausgewogene Verbindung aus smarter Vernetzung und maßgefertigter Im-Ohr-Bauform. Auch hier ist Streaming von Sprache und Musik in Stereo direkt von iOS- und Android-Smartphones möglich. Erstmals überhaupt bietet ein Im-Ohr-Gerät Wireless-Streaming mit Bluetooth Low Energy. Wir haben das Portfolio von ReSound LiNX Quattro im letzten Jahr also Schritt für Schritt ausgebaut, und es werden demnächst noch weitere Neuigkeiten folgen.
 
Welche Trends sind aus Ihrer Sicht derzeit entscheidend? Was erwarten Sie für 2020?
Jochen Meuser: Sicherlich kann man davon ausgehen, dass der Markt weiter wächst. Nicht nur, weil die große Welle der Nachversorgungen ins Haus steht. Ich denke, das überdurchschnittliche Wachstum im vergangenen Jahr zeigt auch, dass sich in den Köpfen der Endverbraucher etwas bewegt. Die vielen Marketing-Aktivitäten der Branche, die vielen Medienberichte und vor allem die neuen Möglichkeiten smarter, multifunktionaler Hörgeräte zeigen Wirkung. Die Endkunden werden jünger. Es gibt eine Verschiebung bei den Altersklassen. Damit verändern sich die Anforderungen, und das macht es spannender. Wenn ich mir nur mal vorstelle, ich bräuchte jetzt Hörgeräte  – beim Einstieg in die Versorgung würde sich mein Interesse sicherlich nicht auf das reine Hörgerät beschränken; es ginge mir mehr um ein multifunktionales Kommunikationsprodukt. Das geht in meiner Generation sicherlich vielen so. Entsprechend stark muss man es adressieren.
 
Wie wichtig ist der Brückenschlag zwischen Kommunikationsprodukt und Hörgerät?
Jochen Meuser: Der wird immer wichtiger. Dieser Link hat der ganzen Hörakustik-Branche entscheidende Impulse gegeben. Es scheint endlich möglich, die Stigmatisierung technischer Hörhilfen abzubauen. Die GN Hearing hat diese Entwicklung maßgeblich mitbestimmt. Wir werden das auch weiter tun. Sei es durch die enge Zusammenarbeit mit unserer Konzern-Schwester Jabra, durch Partnerschaften mit großen Playern wie Apple oder Google oder durch unsere Zusammenarbeit mit audEERING, dem weltweiten Vorreiter für Audio Intelligence. Jabra hat aktuell auf der CES in Las Vegas das Elite 45h vorgestellt – mit grandiosem Erfolg. Diese neuen In-Ear-Kopfhörer sind weltweit führend, und sie profitieren wesentlich von der    Hörgeräte-Technologie der GN Hearing. Andererseits sind wir mit ReSound seit mittlerweile sechs Jahren auf der weltgrößten Messe für Consumer Electronics, der IFA in Berlin, mit einem eigenen Stand präsent – nach wie vor als einziger Hörgeräte-Hersteller. Wir nutzen diese Auftritte, um vielen Journalisten und Besuchern die immensen Vorteile unserer smarten Medizinprodukte vorzustellen und für den frühzeitigen Gang ins Hörakustik-Fachgeschäft zu werben. Und wir sehen uns auf der IFA keinesfalls als randständig, vielmehr als Trendsetter. Unsere Produkte und deren Anpassung durch hochqualifizierte Hörakustiker stehen für höchste Personalisierbarkeit – hinsichtlich Funktionalität und mit Blick auf den Tragekomfort. Gemeinsam mit den Hörakustikern setzen wir Maßstäbe für zukünftige multifunktionale Schnittstellen zwischen Mensch und Technik – und das wird auch wahrgenommen. ARD Morgenmagazin, Süddeutsche Zeitung und Tagesspiegel, Computer BILD oder c’t – ganz viele bekannte Medien haben auch 2019 wieder über uns berichtet. Wie gesagt, da verändert sich etwas in den Köpfen.
 
Was ist mit den Risiken, die mit den so genannten Hearables einhergehen?
Kay Stamer: Man wird die Entwicklung hin zu multifunktionaler Technik am Ohr nicht verhindern können. Ich sehe diesen Trend eher als Chance. Der Hörakustiker hat die Möglichkeit, sein Portfolio zu erweitern und neue Zielgruppen für den Besuch im Fachgeschäft zu gewinnen. Und er kann sich einmal mehr von Discount-Anbietern abheben – durch zusätzliche smarte Angebote rund ums Hören. Das entspricht doch auch dem Wunsch vieler Endverbraucher nach professioneller Beratung und Service. Ich glaube nicht, dass sich die Hörakustiker fürchten müssen. Die Chancen sind deutlich größer als die Risiken – immer vorausgesetzt, man erkennt die Zeichen der Zeit, entwickelt sich und sein Angebot weiter, scheut nicht den Blick über den Tellerrand. Für mich gehört dazu auch, auf Zielgruppen zuzugehen, die noch lange keine Hörgeräte-Kunden sind. Was man nicht unterschätzen sollte – diese Kinder und Enkel der klassischen Hörakustik-Kunden sind mittlerweile die wichtigsten Influencer. Sie entscheiden maßgeblich mit, wenn es um den Kauf von Hörgeräten geht. Also darf man sie nicht ignorieren. Und man muss sich den neuen Medien stellen, in denen sie sich informieren.

Marina Teigeler:Die neuen Möglichkeiten aktiv zu nutzen, Veränderungen wahrzunehmen und passende Strategien zu entwickeln – das ist es, was wir jedem Hörakustiker empfehlen. Und wir befördern solche Ansätze nach Kräften. Diejenigen Hörakustik-Betriebe, die in den zurückliegenden Jahren bei unserem Wettbewerb um den Smart Hearing Award überzeugen konnten, verkörpern alle so eine aktive Haltung.
 
Und was ist mit den Grenzen zwischen Consumer und Medizinprodukt?
Jochen Meuser:Eine klare Grenzziehung hin zum Medizinprodukt Hörgerät ist sicherlich sehr wichtig. Auch das wurde uns auf der IFA einmal mehr klar. Es muss eindeutige Standards geben. Es muss klar sein, wer welche Kompetenzen wann einbringt. Ist eine Versorgung gefahrengeneigt, braucht es besondere Qualifikationen. Es bleibt abzuwarten, wie diese Regularien etwa in den USA durch die FDA gestaltet werden. Zumindest auf dem deutschen Medizintechnik-Markt ist diese Abgrenzung glücklicher Weise gegeben – sowohl mit Blick auf die Produkte als auch mit Blick auf die fachkundige Anpassung im Hörakustik-Fachgeschäft. Dennoch ist es wichtig, diese Hintergründe den Medien und der allgemeinen Öffentlichkeit immer wieder bewusst zu machen und aufzuklären. Auch das ist ein Grund, warum wir uns auf der IFA gemeinsam mit Hörakustikern engagieren. Wir wollen Flagge zeigen und eine wichtige Plattform nicht anderen überlassen.
 


„Wir wollen Flagge zeigen und eine wichtige Plattform nicht anderen überlassen.” Jochen Meuser auf der IFA 2019, hier im Gespräch mit Miss IFA (Foto: Eisermann)

Was können wir im neuen Hörakustik-Jahr sonst noch von GN erwarten?

Marina Teigeler: Auf jeden Fall Partnerschaftlichkeit. Und eine Menge neuer Produkte mit spannenden Bauformen – gerade auch für den deutschen Markt. Es wird deutlich mehr Produktneuheiten geben als im vergangenen Jahr.

Jochen Meuser:Unverändert sehen wir uns als Partner der Hörakustiker, die auf Augenhöhe mit uns zusammenarbeiten. Das mit der Augenhöhe betonen wir auch deshalb, weil es uns klar von vielen unserer Wettbewerber unterscheidet. Wir sind nicht Hörgeräte-Lieferant XY, von dem man mehr oder weniger Rabatt bekommt. Wir wollen gemeinsam mit den Hör- akustikern wachsen. Das müssen wir auch, denn wir betreiben eben nicht zugleich noch eigene Geschäfte. Wir sind viel stärker als andere auf den freien, kleineren Hörakustiker angewiesen. Das ist unsere bewusste Entscheidung. Es ist für uns die Basis fairer Kundenbeziehungen. Es ist die Voraussetzung dafür, dass unsere Produkte bestmöglich angepasst werden und die hörgeschädigten Endverbraucher optimal von unserer Technik profitieren.

Kay Stamer:Wir verfolgen keine Strategie der vertikalen Integration. Wir sind nicht die Wettbewerber unserer Kunden. Das ist unser Verständnis von Partner sein. Und wir geben den Hörakustikern, die diese Partnerschaft eingehen, echte Mehrwerte an die Hand: neue Strategien, um auf dem eigenen, lokalen Markt zu bestehen, innovative Marketing-Angebote, die auch online neue Chancen eröffnen, attraktive Trainingsmaßnahmen usw.
 
Könnten Sie vielleicht ein paar konkrete Dinge für die kommenden Monate nennen?
Jochen Meuser: Wie schon angedeutet, bezüglich neuer Produkte können sich unsere Kunden für 2020 auf ein Feuerwerk einstellen. Aktuell werden wir jedoch nicht mehr sagen, als dass man schon bald etwas erwarten und bis dahin gespannt sein kann …

Marina Teigeler:Ein großes Thema des kommenden Jahres sind natürlich die Wiederversorgungen im Zuge der Zuzahlungsneuregelung vor sechs Jahren. Hier bieten wir den Hörakustik-Betrieben vielfältige Marketing-Unterstützung. Das Spektrum reicht vom professionellen Kundenanschreiben bis zu unserem Smart Hearing Day, einem Aktionstag für smartes Hören, der vor allem auf bereits versorgte Kunden abzielt. Im Rahmen der Aktion können sie ReSound LiNX Quattro erleben, insbesondere die zusätzlichen Vorteile smarter Vernetzung. Das Event wurde bereits vielerorts mit großem Erfolg umgesetzt. Sämtliche Schritte für Planung und Durchführung bekommt der Hörakustiker von uns. Ein GN-Vertriebsaudiologe ist vor Ort. Es gibt zahlreiche Werbemittel, die der Akustiker nutzen kann.

Kay Stamer:Die Aktion ist für Bestandskunden super geeignet. Allein schon durch das Thema Akku, das aus meiner Sicht ein starkes Argument für eine Nachversorgung ist. Alltagstaugliche Akku-Lösungen waren doch 2014 noch gar kein Thema … Aber auch unabhängig vom konkreten zeitlichen Anlass – die Pflege der Bestandskunden wird immer wichtiger. In Deutschland sind heute zwei Drittel der Versorgungen Nachversorgungen. Und es ist deutlich weniger aufwändig, einen bestehenden Kunden zu pflegen, als einen neuen zu gewinnen. Wir helfen unseren Partnern sicherzustellen, dass ihre Kunden nicht zu einem anderen Anbieter wechseln. Der eigene Kundenbestand ist vielerorts ja immer noch ein schlafendes Potential. Wer das aktiviert, der hat schon viel gewonnen.

Marina Teigeler: Ob Bestandskunden oder Neukunden – vor allem bei ReSound wird es im Marketing viele neue Angebote geben. Und sie werden den neuen Herausforderungen Rechnung tragen, vor denen heute jeder Werbetreibende steht.
 
Welche Herausforderungen sind das?
Marina Teigeler:Die Möglichkeiten zu werben wandeln sich tiefgreifend. Damit verändern sich auch die Strategien, die zum Erfolg führen. Der Stellenwert von Print-Anzeigen ist gesunken. Viele Hörakustik-Betriebe beschränken sich heute auf ganz bestimmte lokale Print-Medien. Manche verzichten sogar ganz auf Print und werben nur noch online. Und auch online geht es längst nicht mehr nur um Klassiker wie Google Ads oder Facebook. Wir unterstützen unsere Partner fortlaufend mit saisonalen Kampagnen, mit zahlreichen Off- und Online-Elementen. Dazu zählen etwa attraktive Schaufenster-Dekos oder unser Beratungstool „Sinnvoll hören“, mit dem man höherwertig verkaufen kann. Dazu gehören Promotion-Aktionen wie die Urlaubs-Straßenpromotion mit Piloten und Stewardess. Dazu zählt aber auch unsere Landing-Page linx-testen.de, die das enorme Medienecho auf mittlerweile vier Generationen von ReSound LiNX Hörgeräten nutzt. Und dazu zählt unser Angebot mit der ViRA-Plattform. Über sie können lokale Fachgeschäfte auf ihren Standort begrenzt YouTube-Werbung schalten, die potentielle Kunden Schritt für Schritt ins Geschäft führt. Es gibt inzwischen eine Reihe von Betrieben, die damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Aktuell bereiten wir neue Videos vor, die wieder ausschließlich für ViRA-Kampagnen bestimmt sind. Wir freuen uns schon darauf, sie endlich vorstellen zu können.
 


Interton Apotheken-Aktion: „Gemeinsam mit einer Apotheke als Kooperationspartner lädt das jeweilige Fachgeschäft zu einem ‚Tag der Hör-Gesundheit’ ein” (Foto: GN Hearing)

Und bei Interton?

Marina Teigeler:Auch da können sich unsere Partnerinnen und Partner auf Neuigkeiten freuen. Nicht alles werden wir hier schon verraten. Ein Highlight im Marketing sind sicherlich die Interton Apotheken-Aktionen: Gemeinsam mit einer Apotheke als Kooperationspartner lädt das jeweilige Fachgeschäft zu einem „Tag der Hör-Gesundheit“ ein, der vielfältig beworben wird. Am eigentlichen Aktionstag werden die Interessenten dann in ihrer Apotheke von einer erfahrenen Hör-Promoterin empfangen. Neben einem kostenlosen Hörtest erhalten die Apotheken-Kunden aus erster Hand aktuelle Informationen über gutes Hören, neueste Hörgeräte und besseres Verstehen beim Fernsehen. Die neutrale Expertin lädt zu unverbindlichen Hörgeräte-Tests in das jeweilige Fachgeschäft ein.

Kay Stamer:Die Marke Interton tritt hier übrigens sehr zurück. Alles ist eher neutral gehalten, weil das besser zum Aktionstag in einer Apotheke passt. Toll für den Akustiker ist auch, dass er für diese Aktion kein extra Personal braucht. Den Part in der Apotheke übernimmt komplett unsere Expertin, die Vollprofi bei der Ansprache neuer Interessenten ist.

Marina Teigeler:Ein weiteres spannendes Angebot im Interton-Marketing haben wir speziell für kombinierte Optik- und Akustik-Fachgeschäfte entwickelt – die neue „2 in 1“- Werbekampagne. Mit der können die Geschäfte ihren besonderen Mehrwert plakativ und effektiv herausstellen.

Jochen Meuser:Neben Produkten und Marketing-Angeboten wird es aber auch noch andere neue Dinge geben, etwa ein vielfältiges Schulungs- und Webinar-Programm zu Themen von ReSound und Interton. Außerdem können wir mehrere Neuzugänge in unserem Team begrüßen. Mit Marcel Schulze und Martin Brückner haben wir die Außendienstmannschaft um zwei weitere branchenerfahrene Kräfte verstärkt. Beide sind Hörakustiker-Meister, ebenso wie Michael Luikenga, der ab kommenden Monat die neu geschaffene Position des Leiters Audiologie übernimmt. Unter seiner Führung werden wir unseren Partnern neben Produktschulungen verstärkt Verkaufsschulungen und Coachings anbieten.
 
Was ist mit Ihrer strategischen Partnerschaft mit Cochlear, der Smart Hearing Alliance? Wie wird es hier weitergehen?
Marina Teigeler:Erst einmal bringt die Alliance schon jetzt ganz vielen hörgeschädigten Menschen und deren Familien klaren Mehrwert. Träger von Cochlear Hörimplantaten profitieren vielfältig von wegweisender Konnektivität. Auch bimodale Versorgungen mit Cochlear und ReSound eröffnen diese Vorteile. Und die technologische Entwicklung geht immer weiter. Seit einigen Monaten ermöglicht die Kombination aus ReSound LiNX Quattro und Cochlear Nucleus 7 bimodale Vernetzung erstmals auch mit direktem Android-Streaming. Für unseren Ansatz der bimodalen Vernetzung wurden wir auf der IFA sogar gemeinsam mit dem international renommierten UX Design Award geehrt.

Jochen Meuser:Wir stehen im engen Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen von Cochlear. Es gibt regelmäßige Treffen auf verschiedenen Ebenen, gemeinsame Workshops und andere Veranstaltungen. Und wir tragen die Alliance nach draußen, informieren zusammen Hörakustik-Partner, planen gemeinsame Aktivitäten. Es ging sogar soweit, dass unserer Vertriebsleiter Jens Fendrik im vergangenen Jahr ins Team von Cochlear wechselte, um fortan dort seine langjährigen Erfahrungen aus dem Hörakustik-Markt einzubringen. Bei Cochlear kümmert er sich nun darum, die Kliniken vor Ort, deren Patienten und die auf Hörimplantate spezialisierten Hörakustiker noch stärker zusammenzubringen. Perspektivisch werden sich die Lösungen von Cochlear und ReSound immer noch besser kombinieren lassen, und dadurch optimale bimodale Versorgungen sicherstellen. Damit einher geht, dass der Markt für Super-Power-Lösungen für uns wichtiger denn je ist. Das Engagement in der Allianz ist ein Teil der Premiummarke ReSound. Und die Zusammenarbeit mit Cochlear ist nicht zuletzt ein weiteres Plus, mit dem wir Hörakustiker unterstützen wollen. Mit zusätzlichen Angeboten aus dem Bereich der Hörimplantate können sie ihre Position als lokaler Experte für gutes Hören einmal mehr unterstreichen. Diese Fachkompetenz stärkt auch die eigene regionale Marke. Es ist eine zusätzliche Möglichkeit – ähnlich wie spezialisierte Angebote im Bereich Tinnitus oder für Im-Ohr-Versorgungen. Wer hier mehr erfahren will: Auf der Microsite hörmonie.de können sich Branchenvertreter über die Alliance informieren.
 
Eine letzte Frage; was wünschen Sie sich für das kommende Jahr von den Hörakustikern?
Kay Stamer: Dass wir weiterhin gut, vertrauensvoll und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, …

Jochen Meuser:… ganz im Sinne der beschriebenen Partnerschaft.

Marina Teigeler:Und dass sie sich schon mal die Monate März und April vormerken. Dann touren wir wieder quer durch die Republik. In zehn deutschen Großstädten laden wir die regionalen Hörakustiker zur „Roadshow 2.0“ mit „ReSound Speed Dating“ ein. Ein Name, den wir ganz bewusst gewählt haben. Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein neuartiges, überraschendes und kurzweiliges Format mit spannenden Stationen. Und es gibt jede Menge neuer Dinge, die wir hier nur kurz andeuten konnten.
 
Herr Meuser, Frau Teigeler, Herr Stamer, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!