Beate Gromke: „Neuigkeiten mit fachwissenschaftlichem Fokus begleiten und mitgestalten"

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Neue EUHA-Präsidentin: Beate Gromke

Am Kongressmittwoch, dem 17. Oktober dieses Jahres, wählte die Europäische Union der Hörakustiker (EUHA) ein neues Präsidium sowie eine neue Präsidentin. So folgt auf den langjährigen EUHA-Präsidentin Martin Blecker mit Beate Gromke nun erstmals eine Frau.

Was die Hörakustikermeisterin an dem Amt reizt, welche Herausforderungen sie für die EUHA sieht und wie sie denen begegnen möchte, das verrät sie in diesem Interview.

Frau Gromke, Sie sind am 17. Oktober dieses Jahres zur neuen Präsidentin der Europäischen Union der Hörakustiker gewählt worden. Was reizt Sie am Amt?
Das Thema des Kongresses ist bekanntlich die Digitalisierung. Das heißt, von allen Ecken und Enden kommen Veränderungen auf uns zu: Hearables drängen in den Markt für Hörsysteme, wenn zunächst auch nur in den USA. Dazu kommen die Online-Themen, die künftig mit Sicherheit auch noch mehr Raum in unserem Alltag einnehmen werden. Das finde ich persönlich spannend und das ist das, was ich mit Blick auf die Zukunft gern mitgestalten möchte. Zudem muss und wird die EUHA auch in Bezug auf diese Themen Schnelligkeit und Anschlussfähigkeit zeigen müssen, auch, um die Ängste einiger Hörakustiker bei diesen Themen abzubauen. Denn die Zeit können wir nicht zurückdrehen. Darum möchten wir die bevorstehenden Neuigkeiten mit unserem fachwissenschaftlichen Fokus begleiten und mitgestalten. Das Potenzial dazu sehe ich.

Es geht Ihnen also darum, Themen, die für das Hörakustiker-Handwerk relevant werden, branchenkompatibel zu machen?
Ja – und Wege aufzuzeigen, wie wir diese Themen umsetzen können, ohne dabei unsere Qualitätsstandards zu verlieren. Das ist uns dabei besonders wichtig, denn OTC- Produkte und Hearables können diese Qualitätsstandards bisher nur bedingt bzw. nicht erfüllen. 

Welche Themen warten außerdem als neue Präsidentin der EUHA auf Sie?
In unserer Satzung ist klar und deutlich unser wissenschaftlicher Ansatz festgehalten, den wir selbstverständlich beibehalten werden. Zukünftig möchten wir mit allen Verbänden der Branche zusammenarbeiten und uns dafür noch besser aufzustellen – das wird eine weitere Aufgabe sein. Nicht zu vergessen Themen wie Social Media sowie weitere Möglichkeiten, den Austausch mit unseren Mitgliedern weiter zu intensivieren. Wichtig ist mir außerdem, dass ich keine Präsidentin bin, die allein an der Spitze steht. Ich werde stets die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen im Präsidium, den Mitgliedern und den Branchenvertretern suchen, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Es geht Ihnen also auch darum, noch mehr in die Kommunikation mit Ihren Mitgliedern sowie mit den anderen Organisationen der Branche zu gehen, um noch mehr Schnittstellen zu schaffen?
Genau. Man kann nicht nur auf einem Kanal senden. Aufgrund all der Änderungen, die in unserer Welt passieren, müssen wir auf verschiedenen Wegen präsent sein, um auch wirklich alle Interessierten erreichen zu können. Und damit meine ich nicht allein unsere Mitglieder. Ich denke dabei auch an Verbände wie den FDH, mit dem zusammen wir ja auch in der FGH organisiert sind. 

Was kann die EUHA insbesondere ihren Mitgliedern bieten? Und wie kann sie neue Mitglieder für sich interessieren? Es gibt die Landestagungen und Fachseminare, es gibt den jährlichen Internationalen Hörakustiker-Kongress… 
Ich sage da mal ganz ketzerisch: Indem die EUHA zwei Frauen an die Spitze stellt (lacht). Nein. Neben den von Ihnen erwähnten Veranstaltungen werden wir den Mitgliedern noch weitere Dinge zur Verfügung stellen. So gibt es in diesem Jahr auf dem Kongress erstmals die EUHA-Lounge, in die sich unsere Mitglieder zum Beispiel für Gespräche zurückziehen können. Dazu kommt die Möglichkeit für jüngere Mitglieder, am heutigen Kongress-Donnerstag mit uns, den Präsidiumsmitgliedern, zwischen 12.00 und 14.00 Uhr ins Gespräch zu kommen. Schließlich müssen wir wissen, was die Basis wünscht. So können wir Themen aufgreifen, die wir, wenn möglich, neben unseren eigenen Ideen angehen und umsetzen wollen. Nicht zu vergessen die Leitfäden, die die EUHA in verschiedenen Arbeitsgruppen erarbeitet und bereitgestellt hat. Daran, diese in die Praxis zu transportieren, wollen wir auch noch weiter arbeiten, so dass die Leitfäden möglichst viele Betriebe erreichen. Zudem gibt es EUHA TV, wo wir online die auf dem Kongress gehaltenen Vorträge zur Verfügung stellen, damit all jene, die nicht zum Kongress kommen konnten, auch die Gelegenheit erhalten, sich diese anzuschauen. EUHA-Mitglieder haben übrigens einen kostenfreien Zugang zu EUHA TV. All diese Themen werden wir künftig noch weiter entwickeln.

Als EUHA-Mitglied kann ich also davon ausgehen, dass ich stets das neueste Wissen erhalte, geprüft von Fachleuten mit sehr viel Expertise?
Ganz genau, und das möglichst schnell! Das meinte ich auch, als ich eben von der Anschlussfähigkeit sprach. Mir geht es darum, dass wir noch mehr agieren, denn das erfordern diese schnellen Zeiten. 

Sehen Sie als Präsidentin eines Vereins, den es schon seit 58 Jahren gibt, besondere Herausforderungen, jüngere Hörakustiker für die Arbeit in der EUHA zu begeistern?
Um den Nachwuchs für die EUHA zu begeistern, ermöglichen wir zum Beispiel den Junggesellen, an den fachwissenschaftlichen Vorträgen teilzunehmen. Und im Rahmen Jungmeister räumen wir diese Möglichkeit ein weites Mal ein. So behält sich die EUHA ihren Bekanntheitsgrad im Nachwuchs der Branche. Der EUHA-Förderpreis ist ebenfalls eine Plattform neue Entwicklungen/Erkenntnisse zu fördern, zu publizieren und somit allen aktuelles Wissen zur Verfügung zu stellen. 

Das E im Namen der EUHA zeigt auch eine Verwurzelung in Europa. Wie ist die EUHA hier aufgestellt?
Hier sehe ich unsere Aufgabe, wie im Übrigen auch in Deutschland, darin, mit den anderen Verbänden zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus gibt es auf der internationalen Ebene Themen, bei denen wir uns gegenseitig unterstützen können. Es geht hier also sehr viel um den Austausch in Netzwerken. Zudem haben wir mit unserem belgischen Präsidiumsmitglied Tom Aerts jemanden, der uns aktiv auf europäischer und internationaler Ebene vertritt und diese Erkenntnisse in unserem Präsidium vorstellt. 

Frau Gromke, wir danken Ihnen für das Gespräch.