Carsten Braun: „Äußerst natürlich und dennoch klar und präzise"

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Carsten Braun, Leiter der Audiologie bei Bernafon in Berlin

Bei Bernafon trifft nun Hör-Freiheit auf Wahl-Freiheit. Ganz gleich, ob man sich für ein „Zerena”-Hörsystem der Preisklasse 1, 3, 5, 7 oder 9 entscheidet – auf die audiologisch notwendigen Features muss man bei keiner der Kategorien verzichten.

Das neue IdO-Sortiment der „Zerena“-Familie wartet ab der ITC-Bauform gar mit der 2,4 GHz-Technologie auf. Im Gespräch verriet uns Carsten Braun, Leiter der Audiologie bei Bernafon in Berlin, noch mehr Details zu den Neuheiten.

Herr Braun, am 3. September brachte Bernafon neue Modelle der „Zerena“-Reihe auf den Markt, darunter nicht nur Geräte in den Preisklassen 3 und 1, sondern auch ein komplett neues IdO-Sortiment. Wie blicken Sie auf den Start der neuen Modelle?
Wir freuen uns wahnsinnig. Wir bieten nun zum allerersten Mal unsere leistungsfähigste Chip-Generation in einer kompletten Produktfamilie an – von der Kategorie 9 bis zur Kategorie 1. Das macht die „Zerena“-Familie zur leistungsfähigsten Familie von Bernafon aller Zeiten. Die DECSTM-Technologie, die wir im vergangenen Jahr in den Klassen 9,7,5 vorgestellt haben, bieten wir nun in allen Modellen der „Zerena“-Familie an, auch in der neuen „Zerena“ Kategorie 3 und 1. Damit reicht diese einzigartige Technologie, die komplett auf vordefinierte Umgebungsklassifizierung verzichtet, um das beste und authentischste Abbild der Hörsituation wiederzugeben, bis in das mittlere Preissegment hinein und eröffnet nun einer deutlich größeren Kundengruppe den Zugang zu unserer „Zerena“-Familie. 

Wenn Sie nun ein Merkmal oberer Preiskategorien auch in der Mittelklasse anbieten: Worin unterscheiden sich die verschiedenen Kategorien?
Bei Bernafon bekommen Kunden immer mehr Technologie für ihr Geld – das ist das Versprechen, das wir geben. Darum finden Sie die DECS™ Technologie nun auch in den Klassen 1 und 3. Alle DECS™ Features in „Zerena“ arbeiten SNR-basierend, sei es das DSPTM, das Dynamic Noise ManagementTM (DNMTM), die Dynamic Amplification ControlTM (DACTM) oder der Übergangspegel. Wie sich nun die Einstellungen an die individuellen SNR- und ANL Verluste der Kunden anpassen lassen, hängt von der Leistungsklasse ab. DACTM und Übergangspegel stehen beispielsweise nur in den Klassen 9,7,5 zur Verfügung. Wo wir keine Unterschiede machen, sind „Zerena“-Kern-Features. So verfügen die „Zerena“-Geräte in allen Klassen über Dynamic Noise Management, unsere ChannelFreeTM Signalverarbeitung und Speech Cue PriorityTM, die das auditive Auflösungsvermögen des Kunden berücksichtigt. Aber neben all den technischen Details sind wir vor allem auf das positive Feedback, das uns unsere Kunden und Hörgeräteträger geben, stolz. „Zerena“ Geräte werden von unseren Kunden im Klangbild als äußerst natürlich und dennoch klar und präzise bewertet. Auch in puncto Konnektivität machen wir keine Unterschiede. Alle Leistungsklassen sind 2,4GHz wireless-fähig und Made for iPhone. Zudem verfügen alle Modelle ab CIC über Near Field Magnetic Induction für den energiesparenden Datenaustausch untereinander. Die HdO- und RITE-Modelle sowie das ITC und das ITE bieten darüber hinaus eine IFTTT-Schnittstelle. 

Mit Blick auf das neue IdO-Sortiment heißt es von Seiten Bernafons, dass dieses „vielfach optimiert“ wurde. Was können wir uns darunter vorstellen?
Der Chip in den IIC- und CIC-Geräten ist zum Beispiel um 34% kleiner als der vorherige Chip. Ein IIC, das bei uns in der Manufaktur gebaut wurde, ist kaum größer als eine Kaffeebohne. Und dennoch ist der Chip deutlich leistungsfähiger. Der Datenaustausch über die akustische Umgebung zwischen den „Zerena“-Geräten liegt mit 21 Mal pro Sekunde nun viermal höher als in der vorherigen Chipgeneration. Die Datenmenge, die „Zerena“ pro Sekunde verarbeitet, konnten wir um mehr als das Dreifache erhöhen. Eine solche Leistungsdichte ist in den Segmenten 1 und 3 nicht selbstverständlich. Auch können wir nun mit neuen Vent-Optionen okklusionsoptimierte Geräte anbieten, die in ihrem akustischen Verhalten und Aussehen einzigartig sind. Worauf wir uns außerdem sehr freuen, ist, dass wir 2,4GHz Direct Streaming nun auch in den IdO-Geräten anbieten können, und zwar ab dem ITC, das wir in vier Fitting-Level anbieten. Man kann die Geräte also mit vier verschiedenen Hörern ausstatten, so dass wir im Grunde alle Hörverluste bis WHO3 abdecken können. 

Die IdO-Bauformen kann man bei Ihnen entweder sozusagen von der Stange ordern, oder aus Ihrer Manufaktur. Worin liegen hier die Unterschiede?
Auf die „Zerena“-IdO-Geräte haben unsere Kunden sehnsüchtig gewartet. Und vor allem jene Kunden, die in ihren Betrieben einen sehr hohen IdO-Anteil haben, wünschen sich die Qualität aus unserer Manufaktur – in Berlin gefertigte Unikate. Die Manufaktur vereint im Prinzip beide Welten: Das klassische Handwerk und modernste Fertigungsprozesse. So wird beispielsweise von jeder Abformung immer als erstes eine Negativform hergestellt, um später an der analogen Kopie des Kundenohres Kosmetik, Passgenauigkeit und Funktion zu prüfen. Das Design und die Ausstattung der Geräte wird gemeinsam mit unserer Audiologie Abteilung besprochen. Wir können in der Manufaktur mit Hilfe von Computersimulationen Okklusionsneigungen prognostizieren und entsprechende Ventings designen. So erhalten unsere Manufakturkunden immer die beste Kombination aus Passgenauigkeit, Funktion und Kosmetik. Dafür steht auch unsere Passformgarantie. Hörgerätenutzer, die sich für eine Im-Ohr Versorgung entscheiden, sind meist besonders anspruchsvolle Kunden, die Wert auf einen natürlichen Klang, eine gute Kosmetik und mittlerweile auch auf die Kommunikation mit externen Geräten legen. Für diese Kunden ist unsere Manufaktur mit Sicherheit interessant. Was wir zudem beobachten ist, dass der technologische Übergang von Hearables zu Hörgeräten immer kleiner wird. In den 1980er-Jahren gab es die sogenannte Generation Walkman, für die es selbstverständlich war, etwas auf, oder in den Ohren zu haben – oftmals zum Leitwesen der Eltern und Lehrer. Diese Generation begrüßen wir nun allmählich in den Fachgeschäften. Statt der kabelgebundenen Kopfhörer von früher sieht man diese Generation heute in der Bahn oder im Flugzeug mit modernen Bluetooth-Kopfhörern mit Noise-Cancelling und voller Konnektivität zu Smartphones. Mittlerweile auch als Im-Ohr Varianten – sogenannte Earbuds. Diese Kunden sind IdOs gegenüber deutlich aufgeschlossener als die Generation ihrer Eltern. „Zerena“-ITC Geräte sind daher eine klare und wichtige Option. Sie sind maßgefertigt, deutlich kleiner und lassen sich gleichermaßen mit Smartphones koppeln. Kunden können Musik streamen, Siri-Funktionen nutzen, sich SMS oder WhatsApp-Nachrichten vorlesen oder sich den Weg von Google Maps ansagen lassen.


Wollen Sie damit sagen, dass die „Zerena“-IdOs auch einfach als gute Bluetooth-Kopfhörer taugen?
Die „Zerena“ ITC haben für Menschen mit Hörbeeinträchtigung vor allem einen Vorteil: Sie übertragen frequenz- und dynamikkorrigiert. Das ist das, was klassische Kopfhörer derzeit nur bedingt leisten können. Zudem sind sie maßgefertigt und deutlich kleiner als das, was derzeit auf dem Markt der Hearables verfügbar ist. Die Kopplung mit einem iPhone ist denkbar einfach und man kann in OASISnxt das zu streamende Signal an den persönlichen Hörgeschmack des Kunden anpassen. Mit einer 10 KHz Bandbreite und unserem Live Musik-Programm das mit einer Dynamikerweiterung Eingangspegel bis 113dB verarbeiten kann, bietet „Zerena“ zudem wirklich erstklassige, authentische Livemusikerlebnisse.   

Und was spräche dann noch für ein IdO sozusagen von der Stange? 
Das ist eine Frage der Philosophie des Hörakustikers. Bevorzugt jemand einfach eine etwas preiswertere Lösung, die den industriellen Standard erfüllt, können wir das mit der Standardfertigung ebenfalls bedienen. Will man sich hingegen im lokalen Markt als IdO-Spezialist abheben, sind wir mit unserer Manufaktur genau der richtige Partner. 

Eine weitere Neuheit bei Ihnen ist, dass die „Zerena“-Geräte in sämtlichen Preisklassen auch als Tinnitus Kombi-Gerät anbieten. Gibt es hierfür auch eine Hifsmittelverzeichnis-Anmeldung?
Die Zulassung als Tinnitus Kombi-Gerät haben wir als CIC für „Zerena“ 1,3,5,7,9 beantragt. Diese dürfte „Zerena“ für den Hörakustiker noch mal attraktiver machen, denn so kann er sie bei einer entsprechenden Versorgung als Tinnitus Kombi-Geräte abrechnen. Besonders ist hier zudem, dass wir die CICs auch als Kombi-Geräte wirklich sehr klein bauen können, so dass man sie, natürlich abhängig von der Größe des Gehörgangs, auch nachts tragen könnte. Als RITE Variante wird es „Zerena“ als Tinnitus Kombi-Geräte in den Bauformen miniRITE und miniRITE-T in den Klassen 1 und 3 geben. 

Herr Braun, wir danken Ihnen für das Gespräch.