Earcon – Verbindungen schaffen

knapp 50 hörakustik-fachgeschäfte deutschlandweit


Das Hörakustiker-Netzwerk oton & friends entwickelte earcon. Hier im Bild: Die oton-Geschäftsführer Andreas Roberg Alexander Trog sowie die Ohrwerk-Geschäftsführer Christoph Saveur und Andrea Thurner als Vertreter des earcon-Konzeptes

Die rasant voranschreitende Digitalisierung und Vernetzung in der gesamten Kommunikationsbranche stellt die Hörakustik vor neue Herausforderungen. Sie bietet jedoch zugleich neue Chancen, sich am Markt erfolgreich zu positionieren und ihre Kompetenzen und Geschäftsfelder weiter auszubauen.

Ein Beispiel stellt die earcon GmbH dar, die im Mai 2017 gegründet wurde und sich aus dem Hörakustiker-Netzwerk oton & friends heraus entwickelte. Audio Infos sprach mit earcon-Geschäftsführer Alexander Trog sowie dem oton & friends-Vertreter Christoph Saveur, Geschäftsführer der Ohrwerk Hörgeräte GmbH.
 
 
Herr Trog, Herr Saveur, Sie gehören beide zu den Vertretern der Branche, die der Überzeugung sind, dass sich Hörakustiker am Markt neu positionieren sollten. Weshalb?
Alexander Trog: Wenn man sieht, was sich in den letzten Jahren am Hörakustikmarkt bereits geändert hat und was sich ganz sicher in Zukunft noch ändern wird, dann liegt der Handlungsbedarf doch klar auf der Hand: Digitalisierung und Vernetzung bestimmen die gesamte Kommunikationsbranche und damit auch zunehmend die Hörakustik, das betrifft immer mehr Produkte. Wir sollten als Hörakustiker mit dieser Entwicklung nicht nur Schritt halten, sondern ihr voraus sein, um uns zukunftsfähig im Markt positionieren zu können.
Christoph Saveur: Immer mehr Branchen und Unternehmen wie beispielsweise Bose interessieren sich für Produkte und Dienstleitungen, die lange als klassischer Bereich der Hörakustik galten. Betrachtet man die jüngsten Entwicklungen, wie etwa Bluetooth-Kopfhörer mit hörverstärkender Software als App-Lösung, so kommt man ziemlich schnell zu dem Schluss, dass wir im sogenannten Einsteigermarkt zukünftig auf völlig neue Wettbewerber stoßen werden – dieser Trend birgt ein nicht unerhebliches Risiko für jeden Hörakustiker. Da sollten wir uns nicht zurückziehen, sondern ganz offensiv selbst in andere Märkte und Bereiche gehen und die Verknüpfung mit Kommunikationsprodukten vorantreiben – unsere Fachkompetenz bei der Beratung macht uns nämlich so schnell keiner nach, da haben wir einen klaren Vorsprung.


Alexander Trog ist zugleich Geschäftsführer der im Mai 2017 gegründeten earcon GmbH

Herr Trog, Sie haben vor einigen Jahren die Einkaufsgemeinschaft oton & friends gegründet. Mit dieser haben Sie nun das earcon-Konzept entwickelt. Was verbirgt sich dahinter und welches Ziel verfolgen Sie damit?

Alexander Trog: oton & friends ist vielmehr ein Hör- akustiker-Netzwerk als eine Gemeinschaft einkaufswilliger Akustiker. Es umfasst derzeit rund 65 Hörakustik-Fachgeschäfte bundesweit. Wir sind sehr aktiv und tauschen uns mit unseren Netzwerkpartnern regelmäßig aus, beobachten permanent die Entwicklungen am Markt und versuchen, hierzu Konzepte zu erarbeiten, um auf die Marktentwicklungen zu reagieren oder eben noch besser: der Welle voraus zu sein. So entstand auch das earcon-Konzept, es ist die Antwort auf die immer stärker zunehmende Digitalisierung und Konnektivität.
 
Wie kann man sich das genau vorstellen? Was bietet earcon und an wen richtet sich das Konzept?
Alexander Trog: Der neue Ansatz ist, dass wir mit earcon Kunden schon zu einem Zeitpunkt ansprechen, an dem sie eigentlich mit uns Hörakustikern noch gar nichts zu tun haben. Das, weil viele nach wie vor Hörakustik ausschließlich mit Omas klobigem Hörgerät verbinden. Wir wollen den Kunden zeigen, wofür wir bereits heute und in Zukunft stehen. Egal ob Gehörschutz beim Motorradfahren oder Schwimmen, individuell angepasste In-Ear-Kopfhörer oder Smartphones – Hörakustiker haben die Kompetenz in Sachen Hören und Kommunikation. Das soll sich unserer Meinung nach bei den Leuten festsetzen. Wenn dann irgendwann ein Hörgerät nötig wird, ist das ein selbstverständlicher Teil einer mithilfe des Hörakustikers bereits optimierten Kommunikation, ein moderner Kommunikationsassistent. Das bedeutet dann übrigens auch, dass sich die Leute zukünftig früher für ein Hörgerät interessieren werden und nicht erst, wenn der Hörschaden schon deutlich vorangeschritten ist, so wie das ja heute häufig der Fall ist.
 
Was umfasst das Konzept?
Alexander Trog: Es umfasst zum einen Produkte und Dienstleistungen, die heute bereits beim Hörakustiker erhältlich sind. Dazu gehören etwa Gehörschutz und In-Ear-Monitoring. Darüber hinaus kommt aber auch ein ganz neues Dienstleistungskonzept mit Produkten zum Tragen, die es in Hörakustik-Fachgeschäften so bis heute noch nicht gibt. Hierzu gehören zum Beispiel Mobiltelefone, Telefontarife und ein völlig neuer Service: der so genannte „assist-Service“: Hier helfen wir dem Kunden bei der Einrichtung seiner technischen Endgeräte wie Smartphone oder Tablet. Vom Eintragen der Kontakte bis zur Installation der Wetter-App. All das, was für 20-Jährige heute selbstverständlich ist, lässt viele Menschen um die 50 oder 60 verzweifeln. Hier zu helfen, ist eine Marktlücke, die klassischen Mobilfunkanbieter bieten dazu nichts an. Und wir als Hörakustiker sind da doch genau die Richtigen – einfühlsame Beratung ist unsere absolute Kernkompetenz. Wir unterstützen die Menschen, die digitale Kommunikationswelt zu verstehen und ihre Vorteile für sich besser zu nutzen.
 
Man kann also bei Ihnen in den Läden ein Mobiltelefon kaufen, einen passenden Vertrag abschließen und bekommt auf Wunsch noch Beratung und Hilfestellung dazu?
Christoph Saveur: Genau! Wir haben der Telekom unser Projekt vorgestellt und sie glaubt daran. Aus diesem Grund haben wir auch bereits einen ersten Rahmenvertrag erhalten. Standardverträge sind bei uns sogar etwas günstiger als im Telekom-Shop. Sie entsprechen denen, die man online bekommt. Bisher ist das Portfolio mit lediglich vier Vertragstypen und nur wenig Ausnahmen noch relativ klein. Doch wir haben auch erst im Mai dieses Jahres angefangen. In earcon steckt noch sehr viel Potenzial. Mit der Telekom arbeiten wir zusammen, weil die ein flächendeckendes Funk-Netz garantieren können. Und wir setzen auf Apple-Produkte, weil die deutlich einfacher zu bedienen sind als andere Mobiltelefone. Ein weiterer Grund besteht darin, dass viele Hersteller von Hörsystemen direkte Bluetooth-Anbindungen via Apple ermöglichen.
 
Das earcon-Konzept beinhaltet neben earcon Assist noch fünf weitere Teilbereiche – welche sind das im Einzelnen?
Alexander Trog: earcon mobile umfasst alles, was mit Mobilfunkverträgen und Smartphones zu tun hat, und der Bereich assist gehört – wie eben erläutert – als Dienstleistung dazu. Bei earcon medical kommt dann das Hörgerät ins Spiel. Es kann mit Smartphone oder Stereoanlage zuhause vernetzt und entsprechend optimal eingestellt werden. Bei earcon protect geht es um den besten Gehörschutz bei Arbeit und Freizeit, earcon sport bietet Produkte für Sportbegeisterte, vom Spritzwasserschutz bis zur Vernetzung von Pulsuhr und Smartphone, haben wir in earcon sports untergebracht. Und schließlich gibt es noch den Bereich earcon music, hier dreht sich alles um das perfekte Klangerlebnis durch modernste In-Ear-Kopfhörer. So sind wir übrigens auch auf Paul Janke als Markenbotschafter gekommen – der bringt das Thema als DJ und Musiker einfach glaubwürdig rüber und steht für das neue Image der Hörakustik, zu dem wir hinwollen: Eben nicht mehr „Omas klobiges Hörgerät“, sondern individuell angepasste und optimierte Technik, die Spaß macht und selbstverständlich ist.
Christoph Saveur: Mit dem In-Ear-Monitoring beschäftigen wir Hörakustiker uns ja schon länger, aber bisher haben sich viele Kunden einen Abdruck bei uns machen lassen und sind dann in ein Musikhaus gegangen für die Kopfhörer. Warum sollen wir das aus der Hand geben? Für die Nutzer unseres Konzepts bieten wir deshalb Schulungen von diversen Marktführern wie Visionear oder Hörluchs, damit sie sich breiter aufstellen und besser beraten können.


Mit dem Fernsehdarsteller, Model und Fußballspieler Paul Janke gewann earcon gleich einen prominenten Markenbotschafter

Wie ist denn die Resonanz der Kunden bisher?

Alexander Trog: Durchweg positiv. Die Sache ist ja die: Egal, wie alt jemand auch ist, um die Digitalisierung kommt niemand herum. Jetzt nicht und in Zukunft noch weniger. Wir bieten hier nun Beratung, Produkte und Dienstleistung aus einer Hand an, in einem Bereich, in dem die Kunden bisher auf sich allein gestellt waren. Da sagen viele Leute: „Endlich!“
Christoph Saveur:Unsere Ohrwerk-Filialen sind bereits alle mit dem earcon-Konzept ausgestattet und wir verkaufen schon Smartphones sowie Mobilfunkverträge. So können wir jetzt auch mal einem Kunden während der Hörgeräte-Testphase ein Smartphone mitgeben, um ihm die Vernetzungsmöglichkeiten zu zeigen. Das begeistert die Leute, sie haben plötzlich viel mehr Optionen und verstehen diese nun auch.
 
Und wie ist das bei den Mitarbeitern angekommen? Haben die nicht erst mal gestutzt, als sie plötzlich Mobiltelefone verkaufen sollten?
Alexander Trog: Zunächst waren sie natürlich schon etwas zögerlich, nachdem aber die Schulungen über die oton & friends-Akademie gelaufen sind, waren alle von dem neuen Konzept begeistert und ziehen mit. Tatsächlich glaube ich, dass die zunehmend größere Bandbreite bei Beratung und Produkten den Beruf des Hörakustikers langfristig sogar aufwerten wird.
Christoph Saveur:Bei Ohrwerk haben wir seit einiger Zeit sogar einen Mitarbeiter, der ausschließlich für earcon mobile und earcon assist zuständig ist. Der ist ein begeisterter Apple-Fan und in diesem Bereich vollkommen sattelfest. Seine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, Ansprechpartner für die verschiedenen Geschäfte zu sein und Schulungen in den einzelnen Filialen durchzuführen.
 
Wie sieht denn das Marketingkonzept zu earcon aus? Laufen da schon Werbemaßnahmen?
Alexander Trog: Generell war uns wichtig, dass earcon verstärkt von neuen Zielgruppen wahrgenommen wird. Wir setzen deshalb beim Marketing verstärkt auf „Möglichkeiten und Lösungen“. Zudem ist es uns gelungen, mit Paul Janke einen prominenten Markenbotschafter für earcon zu gewinnen. Der bekannte DJ und ehemalige „Bachelor“ spricht mit seiner sympathischen Art ein breites Publikum an und bietet somit allen earcon-Partnern eine werbewirksame Unterstützung.
 
Was bieten Sie den earcon-Partnern darüber hinaus?
Alexander Trog: Grundsätzlich wurde das earcon-Konzept als Shop-in-Shop-Konzept konzipiert. Somit hat jedes teilnehmende Geschäft die Chance, sich optisch klar abzuheben. Dies ist wichtig, um gezielt auf die neuen Produkte und Services hinzuweisen. Außerdem gibt es jede Menge Informationsmaterial wie zum Beispiel Flyer, Broschüren und Vorlagen für Anzeigenkampagnen.
Christoph Saveur: Ich habe für meine Kunden bereits gezielt Informationsveranstaltungen zu earcon durchgeführt. Und wir geben den einzelnen Kunden immer earcon-Flyer mit, egal ob Bestands- oder Neukunde – da kommen viele neugierige Nachfragen.


Wie viele Partner aus dem Netzwerk haben sich earcon bereits angeschlossen?

Alexander Trog: Insgesamt sind es inzwischen knapp 50 Hörakustik-Fachgeschäfte deutschlandweit.
 
Und was ist mit Hörakustikern außerhalb des Netzwerkes, die sich für earcon interessieren? Gibt es da auch Kooperationsmöglichkeiten?
Alexander Trog: Selbstverständlich. Mitte Oktober ist im Rahmen einer oton & friends-Netzwerkveranstaltung in Hamburg der offizielle Startschuss für das earcon-Konzept gefallen. So gesehen kann sich jeder interessierte Hörakustiker direkt an uns wenden. Wir vertreiben das Konzept als Lizenzmodell: Für einen überschaubaren monatlichen Grundbetrag kann man earcon bei sich im Laden führen und erhält eine Grundausstattung an Möbeln und Marketingtools. Aus unserer Sicht bietet das earcon-Konzept auf der einen Seite die beste Möglichkeit zu zeigen, wofür unsere Branche steht – heute und in Zukunft! Auf der anderen Seite stellt earcon eine tolle Möglichkeit, sich gemeinsam mit seinen Angestellten auf den digitalen Wandel vorzubereiten.
 
Herr Trog, Herr Saveur, Audio Infos bedankt sich für das Gespräch!