Neue Produkte und Service-Tools – Rückblick auf die Industrieausstellung (Teil 1)

besucherrekord mit mehr als 8.000 Gästen


Torben Lindø, Martin Blecker und Dr. Roland Fleck, CEO der NürnbergMesse Group, bei der Eröffnung der Industrieausstellung

135 Firmen aus 21 Ländern zeigten während des 62. Internationalen Hörakustiker-Kongresses auf der Fachausstellung ihre Produktportfolios. Von kleinen Unternehmen bis zu den Playern, von Weltneuheiten bis hin zu bewährten Produkten – auf rund 15.000m2 in den Messehallen 4A und 3A konnte man vieles entdecken, was bald Einzug in die Fachgeschäfte halten könnte – wenn es sich dort nicht schon längst etabliert hat. Darüber hinaus zeichnete sich in einigen Gesprächen ab, wohin sich die Branche künftig entwickeln könnte. Ein Rückblick.

Schon am Mittwochvormittag ist die Industrieausstellung gut besucht. An den beiden folgenden Tagen werden einige Aussteller von einem für sie sehr gut gelaufenen Eröffnungstag sprechen. Davon, dass der Andrang auf den Internationalen Hörakustiker-Kongress nach dem Besucherrekord mit mehr als 8.000 Gästen im vergangenen Jahr nachlassen würde, ist in Nürnberg nichts zu sehen. Die Europäische Union der Hörakustiker e.V. (EUHA) spricht im Nachgang des Kongresses 2017 gar von einem „Blockbuster der Branche“. Sie zählte „rund 8.300 Kongressteilnehmer aus 83 Ländern“. Das ist ein neuer Besucherrekord. Damit ist der Kongress wohl endgültig als das weltweit wichtigste Event der Branche anzusehen.
 
Die Industrie nutzte die Fachausstellung entsprechend als riesiges Schaufenster. Und dabei wurde einmal mehr deutlich, dass es ihr nicht nur um neue, bessere Produkte geht. Es geht ihr auch darum, ihren Kunden mehr Werkzeuge und Möglichkeiten für einen bestmöglichen Service an die Hand zu geben. So bieten nun nicht nur beinahe alle Hörsystem-Hersteller Akku-Lösungen und weiter verbesserte Möglichkeiten in puncto Konnektivität an. Auch die Themen Service und Beratung gewinnen in der Industrie weiterhin an Bedeutung. Überdies rauscht im Hintergrund das Thema Over-the-Counter-Geräte, das, wie sich in einigen Gesprächen abzeichnet, Einfluss nehmen könnte auf die eben erwähnten Felder der Beratung und des Service der bzw. für die Verbraucher. Aber dazu später mehr.


„Hören macht schön” – Peter David Schaade mit Widex-Testimonial Tanja Bülter am Messestand von Widex

Verschiedene Neuheiten bei Widex

Der Messe-Donnerstag wird von vielen Ausstellern „Großkampftag“ genannt. An diesem Tag verzeichnet die Fachausstellung des EUHA-Kongresses für gewöhnlich die höchste Besucherfrequenz. An vielen Messeständen löst das eine spürbare Euphorie aus. „Der Donnerstag ist der Tag, den ich am meisten liebe“, sagt auch Peter David Schaade am Donnerstagmorgen. Dabei begann der 62. Internationale Hörakustiker-Kongress für den CEO der Widex Hörgeräte GmbH und Regional Vice President Global Sales Western Europe & South Africa Widex A/S bereits bestens. Die neue Widex-Kooperationspartnerin Tanja Bülter hatte am Mittwochmorgen nicht nur der Presse ihren neuen Blog hoerenmachtschoen.de vorgestellt, den sie seit Anfang Oktober für Widex betreibt. Die Moderatorin war auch im Rahmen der feierlichen Kongresseröffnung zusammen mit dem Schauspieler Fritz Wepper aufgetreten und hatte vor versammelter Branche von ihren Erfahrungen mit Widex-Hörsystemen gesprochen.

Am Donnerstagmorgen sitzt Tanja Bülter mit Peter David Schaade in einem der Besprechungsräume des Widex-Messestandes und stellt den Audio Infos Hören macht schön by Tanja Bülter vor. „Der Blog nimmt die Leute mit in meinen Alltag“, sagt sie. So gewährt die Moderatorin und Bloggerin nun authentische Einblicke in ihr Leben – als Hörsystemträgerin. Zum Beispiel zeigt sie den Usern in einem kurzen Film ihren Lieblingsklamottenladen, nimmt sie mit auf einen Spielplatz und stellt so, ganz nebenbei, den Nutzen von Hörsystemen in ihrem Alltag heraus. Neben Bewegtbildbeiträgen gibt es auch Textbeiträge. Einer hat zum Beispiel die Überschrift „Hörsystem statt Botox“. In dem Artikel klärt Tanja Bülter auf, warum Hören tatsächlich schön mache: „Ein ratloser oder angestrengter Gesichtsausdruck macht eben niemand schöner“, so die These der Berliner Society- und Stilexpertin.


Eine der Neuheiten bei Widex: Anfang kommenden Jahres wird mit Beyond Z die Akku-Lösung des Herstellers auf den Markt kommen

Peter David Schaade verspricht sich von dem in die neue Widex-Homepage eingebetteten Blog nicht nur eine längere Verweildauer der User. Tanja Bülters Beiträge sollen auch dafür sorgen, potenzielle Kunden neugierig zu machen. „Unser Ziel ist, die Endkunden schneller abzuholen und zum Hörakustiker zu lotsen“, sagt er. Mit der neuen gezielten Nutzerführung der Website und des Blogs „führen wir den Endverbraucher zur Lösung seiner Hörprobleme und zeigen ihm, wie und wo er dabei Unterstützung bekommt“, erklärt Schaade. „Für unsere Kunden ist das Lead-Generation pur.“

Darüber hinaus erwartet die Widex-Kunden am Messestand aber nicht nur ein „super Portfolio“. Der Hersteller präsentiert auch drei Neuheiten: Allen voran das wiederaufladbare „Beyond Z“, das mit einem Silber-Zink-Akku betrieben werden kann. „Das ist das erste System mit 2,4 GHz und extrem Low Energy“, sagt Schaade. Eine Akku-Ladung halte über 24 Stunden, selbst wenn man vier oder fünf Stunden telefoniere oder Musik streame. Für die hohe Stromeffizienz und damit auch die lange Laufzeit sorge die „Power Saver Plus Technology“ von Widex. „Die ist sehr wichtig, denn wir wollen, dass der Kunde flexibel und unabhängig ist“, so Schaade. Für die Entwicklung ist Widex eine Allianz mit dem amerikanischen Unternehmen ZPower eingegangen. Deren Silber-Zink-Akkus gelten als „absolut sicher“. Und wenn der Akku leer ist und man keine Ladestation dabei hat, kann man immer noch eine normale Hörsystem-Batterie einlegen. Die Ladestation ist beim „Beyond Z“ dabei. Steckt man die Systeme in die Ladestation, schalten sich die Hörsysteme automatisch ab. Der Ladevorgang für 24 Stunden Power dauert vier Stunden. Zieht man die Systeme wieder aus der Station, schalten sie sich automatisch wieder ein. „Sehr praktisch, da hat ZPower einen guten Job gemacht“, lobt Peter David Schaade. Erhältlich sein wird das „Beyond Z“ Anfang kommenden Jahres.

Die zweite Neuheit am Widex-Stand ist das neue „Phone-Dex powered by Gigaset“. Bislang in Eigenregie realisiert, hat der Hersteller für die zweite Generation seines schnurlosen Festnetztelefons eine Allianz mit Gigaset geschmiedet. „Das ist Hightech, absolut auf dem neuesten Stand“, eröffnet Peter David Schaade. Es lasse sich ganz einfach bedienen, hat einen Anrufbeantworter, Panorama-Display und eine SOS-Taste, über die in Notfällen automatisch mehrere Nummern angerufen werden können. Zudem koppelt es sich ganz automatisch drahtlos mit Widex-Hörsystemen. Will man mit dem „Phone-Dex“ telefonieren, muss man es nur kurz in die Nähe der Hörsysteme halten, schon bekommt man das Gespräch automatisch binaural gestreamt. „Das ist ein wichtiger Punkt“, sagt Peter David Schaade. „Hört man das Telefonat mit beiden Ohren, hat man ein um bis zu 22% besseres Sprachverstehen, das ist wissenschaftlich nachgewiesen.“ Auf Wunsch können mit der „Room off“-Taste auch sämtliche Umgebungsgeräusche stummgeschaltet werden. Ein charmantes Extra für die Hörakustiker ist der Demomodus für die Präsentation des Telefons im Beratungsgespräch: Beim Praxistest im Ladengeschäft streamt das Telefon interessierten Kunden die Stimme von Mario Adorf in ihr Hörsystem, der hierfür extra eine passende Textpassage eingesprochen hat. „Das neue „Phone-Dex“ wird ab Februar 2018 erhältlich sein.

Als dritte Neuigkeit stellt Widex eine Tinnitus-App vor. „Man kann sich in der App über Tinnitus informieren, es gibt Entspannungsübungen, Zen- und Naturklänge sowie verschiedene Rauschvarianten, mit denen man gezielt vom Tinnitus ablenken kann“, erklärt Peter David Schaade. Um die hören zu können, muss man bloß Kopfhörer in sein Smartphone stecken, Hörsysteme sind nicht erforderlich. „Die App ist sehr attraktiv“, ergänzt Schaade. Eines der Hauptziele, das man mit der App verfolgt, ist freilich, auch mit ihr die User zum Hörakustiker zu lotsen, um sich von ihm beraten zu lassen und einen Hörtest zu machen. Die App steht seit dem 1. November kostenlos im App-Store und bei Google Play zum Download bereit. Mit diesen Neuigkeiten unterstreicht Widex einmal mehr nicht nur seine Kernkompetenz als Hersteller, sondern stärkt auch weiter seine Kunden: die Hörakustiker.



Audio Service steigt in die Welt des Direct Streamings ein und präsentiert neue IdO-Schalen
Auch das inzwischen in Löhne beheimatete Unternehmen Audio Service nutzt die Fachausstellung klassisch und präsentiert, neben dem bereits bekannten Portfolio, eine Neuheit: Das „Sun 16 G5“, ein 13er RiC-System. „Damit steigen wir in die Welt des Direct-Streamings ein und bieten ein multidimensional vernetztes Hörsystem auf Basis von Bluetooth Low Energy-Technologie an.“, erklärt Geschäftsführer Thomas Mettang. Das „Sun 16 G5“ ist damit „Made for iPhone“. Viele der neuen Funktionalitäten sind jedoch auch für Android-Smartphones mittels der Smart-Direct-App nutzbar. Mit der Einführung eines Clip-On-Mic, das Audio Service Anfang nächsten Jahres auf den Markt bringt, komplettiert sich die Nutzungsmöglichkeit für Android-Nutzer. „Konnektivität ist aber nicht alles, auf was wir bei der Entwicklung unseres neuen Hörsystems großen Wert gelegt haben“, setzt Thomas Mettang nach. Ausgestattet mit der neuen Plattform der fünften Generation (G5) bietet es „innovative und selbstverständlich auch bewährte Features sowie einen sehr guten Sound, um das Sun 16 G5 zu einem komfortablen Hightech-Gerät zu machen“, so der Audio Service-Geschäftsführer weiter.


„Wir steigen nun in die Welt des Direct Streaming ein” – Thomas Mettang (re.) und Andreas Eckernkemper am Stand von Audio Service

Wie das „Sun 16 G5“ steht auch der Messestand von Audio Service unter dem Motto „In bester Begleitung“. „Wir wollen unser neues Hörsystem als ‚deinen besten Begleiter durch den ganzen Tag’ positionieren“, erklärt Andreas Eckernkemper. Um das System zu bewerben, berichtet der Marketingleiter, hebe man daher vor allem die „Kern-Funktionalitäten“ hervor. Diese werden, passend zu den alltäglichen Situationen, in denen diese ihre Wirkungen entfalten, vorgestellt. Damit ziele man im Marketing stark auf das Kommunizieren des Nutzens ab. Neu ist außerdem, dass man in den Marketing-Materialien nicht mehr allein mit Zahlen und technischen Fakten argumentiert, sondern auch Emotionen und endkunden-orientierte Sprache in den Mittelpunkt stellt. „Wir glauben, dass das auch unseren Kunden behilflich sein kann“, sagt Andreas Eckernkemper. „Denn wir liefern dem Hörakustiker eine stringente Argumentationskette gegenüber dem Endkunden und fokussieren dabei auf den jeweiligen Nutzen der Funktionalitäten unserer neuen Technikgeneration G5.“ Wer Zahlen und technische Details möchte, der findet diese selbstverständlich auch weiterhin in den Broschüren. Diese Endkunden-gerechtere Sprache sieht man auch auf dem jüngst gestarteten Facebookprofil von Audio Service. „Da sind selbstverständlich Hörakustiker die Zielgruppe, aber auch Endkunden und generell am Thema ‚Hören‘ Interessierte“, erklärt Eckernkemper.

Damit erweitert man bei Audio Service den Marketing-Horizont. Wie das von den Hörakustikern angenommen wird, muss sich erst noch zeigen. Aber bisher traf der Marktführer im IdO-Bereich nicht nur mit seinen Marketing-Ideen oft ins Schwarze. Das jedenfalls spiegelt die alljährlich durchgeführte „2hm“-Studie des Bundesverbandes der Hörgeräte-Industrie, in welcher die Industrie die Zufriedenheit der Hörakustiker abfragt – und in der Audio Service zum dritten Mail in Folge den höchsten Zuspruch in der Kategorie Gesamtzufriedenheit erhalten hat. Die Kategorie Marketing konnte der Hersteller gar noch öfter für sich entscheiden.


„Damit gehen wir gegen den Mainstream” – Audio Service wird bald IdO-Schalen aus Olivenholz anbieten

Trotz des großen Zuspruchs bleibt man bei Audio Service aber „ostwestfälisch gelassen“, wie Thomas Mettang betont. Superlative hört man am Donnerstagmittag am Messestand jedenfalls nicht. Selbst als Thomas Mettang und Andreas Eckernkemper einen Case mit neuen „Design-Studien“ präsentieren. In dem Case befindet sich, neben einigen im Wassertransferdruck hergestellter Schalen, auch eine IdO-Schale aus Olivenholz. „Derzeit ist ja Titan in aller Munde, daher gehen wir hiermit sozusagen gegen den Mainstream“, erklärt Mettang. „Denn man kann kosmetisch hoch attraktive IdO-Schalen aus Olivenholz bauen.“ Diese sind freilich nicht ganz so dünn wie Schalen aus Titan, aber mit einer Wandstärke von circa 0,3 mm durchaus attraktiv. Der Zuspruch auf die nachhaltigen Schalen aus Olivenholz ist auf der Messe positiv. Daher wird Audio Service Anfang nächsten Jahres diese Variante wohl zumindest für die besonders IdO-affinen Atelier-Kunden ins Programm aufnehmen. Des Weiteren kündigt Thomas Mettang für den Beginn des nächsten Jahres an, die Einstiegsgeräte von Audio Service auf die G4-Plattform zu stellen. Im Frühjahr soll dann das G5-Portfolio um weitere Bauformen erweitert werden. 
 


Neue Sets von Sennheiser
Auch für Sennheiser zählt die Fachausstellung zu den Pflichtveranstaltungen. Das Familienunternehmen sieht sich als einen der führenden Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und drahtloser Übertragungstechnik und nutzt die Messe, um gleich zwei Produkte aus seinem Audiologie-Portfolio zu launchen: das Set 880 und das Set 860. Beide sind, erklärt die Portfolio Managerin Audio Application Irene Strüber, Weiterentwicklungen der bekannten Kinnbügelmodelle und bieten einen „kristallklaren und verbesserten Klang und damit unkomplizierten und langanhaltenden Fernsehspaß“. Beide Sets sollen exklusiv über die Hörakustik-Fachgeschäfte vertrieben werden. Die zwei Sets arbeiten mit einem Sender, den man an den Fernseher anschließt, und einem Kinnbügelhörer, der über die 2,4 GHz-Technologie das Signal vom Sender empfängt. „Damit kann sich der Kunde flexibel bewegen“, erklärt Irene Strüber. Die Reichweite der Sets soll bei etwa 70 Metern liegen. Neben dem digitalen gibt es auch einen analogen Anschluss, den man zum Beispiel an sein Radio stecken kann. Per Knopfdruck lässt sich bei dem Set 880 dann bequem zwischen den beiden Signalen wechseln. „Das größte Problem für viele Senioren ist ja das Anschließen“, weiß Irene Strüber. Bei Sennheiser setzt man daher auf eine einfache Farbkodierung – blau auf blau, gelb auf gelb. „Und wenn man es einmal angeschlossen hat, muss man nichts mehr umstecken“, erklärt die Portfolio Managerin. Das Set 880 verfügt über fünf Hörprofile, das Set 860 über drei. Die Profile bieten verschiedene Frequenzanhebungen und –senkungen – eine gemeinsame Entwicklung von Sennheiser und dem Fraunhofer IDMT. „Außerdem haben wir zusammen mit dem Fraunhofer Institut festgestellt, dass Menschen mit ähnlichen oder gar gleichen Hörverlusten dennoch verschiedene Hörprofile unserer Produkte nutzen“, erzählt Irene Strüber. „Wir führen das auf die Hör-Präferenzen unserer Kunden zurück. Daher sagen wir auch nicht, dass ein bestimmtes Profil für einen bestimmten Hörverlust geeignet ist.“ Jeder Kunde soll selbst entscheiden, welches Profil für ihn am besten klingt. Die Lautstärke lässt sich bei beiden Sets für die linke wie rechte Seite individuell regeln. Die Akkus sollen Energie für bis zu 18 Stunden liefern.

Beide Sets verfügen außerdem über eine Sprachverständlichkeitstaste. „Darüber werden die Hintergrundgeräusche aus dem TV-Signal reduziert und die Sprache angehoben“, erklärt Irene Strüber. Des Weiteren präsentiert Sennheiser auf der Messe das Flex 5000, das sich aufgrund seiner individuelleren Nutzungsmöglichkeiten – man kann hier eigene Kopfhörer per Miniklinke anschließen – an eine jüngere Zielgruppe richtet, wie Irene Strüber betont. Und auch die RS 5000- sowie die RS 2000-TV-Kopfhörer sind am Messestand zu sehen. Am Stand des Familienunternehmens aus der Wedemark bei Hannover drehte sich also alles um TV-Erlebnisse in hoher Klangqualität.  


Der DETAX-Stand

„Werkstoff 4.0“ bei Detax 

Unter dem Motto „WERKSTOFF 4.0“ präsentierte Detax, der Materialspezialist aus Ettlingen, neue Hochleistungs-Komposite und geballtes Know-how zum Thema 3D-Druck, Abformung und Medizinprodukte. Im Fokus standen dabei die biokompatiblen „LUXAPRINT®“ & „MEDICALPRINT®“-Kunststoffe, die in allen offenen 3D-Druckern Anwendung finden können. Darüber hinaus konnten die Besucher des Detax-Messestandes Fachvorträge namhafter Experten verfolgen. Afh-Dozent Ulrich Voogdt etwa gab wertvolle Hinweise und Tricks in der Abformtechnik. Aber auch zu 3D-Anwendungen und den besonderen Anforderungen an gedruckte Medizinprodukte wurde in Vorträgen ausführlich informiert. Ebenso auf großes Interesse stießen beim Fachpublikum die „LUXAPRINT®“-Materialien zur digitalen Herstellung transparenter Ohrstücke, bunter Gehörschutzplastiken, Hörgeräteschalen oder dünnwandiger Castformen. Denn parallel zu den Vorträgen zeigten Detax-Techniker einige Meter weiter in einem Live-Labor neue Detax-Materialien, wie zum Beispiel luxaprint® softseal, der erste weichelastische Silikonüberzug für harte Otoplastiken oder luxaprint® shellac color, eine dauerhafte Farblackierung für 3D gedruckte Ohrstücke. Weitere Highlights: Der cast separator PU für die Herstellung thermoelastischer PU-Otoplastiken mit der 3D-Casttechnik, bioflex, ein universelles Langzeitsilikon zur Gehörschutzfertigung oder addition Junior/ DIC, das speziell entwickelt wurde, um tiefe, drucklose Abformungen zu ermöglichen. „Der immense Besucher- andrang auf unserem Messestand verdeutlichte einmal mehr den hohen Stellenwert moderner Werkstoffe als entscheidender Treiber für die Entwicklung immer neuer Applikationen. Hochdifferenzierte Materialeigenschaften ermöglichen schon heute die Optimierung und Beschleunigung der Fertigungsprozesse unserer Kunden. Mit unserer hochspezialisierten Entwicklungskompetenz für medizinische Werkstoffe sind wir als führender Hersteller von Silikonen, lichthärtenden Kunststoffen und Hochleistungs-Kompositen für den 3D Druck weiter auf Erfolgskurs; das hat die EUHA 2017 wieder eindrucksvoll belegt“, bilanzierte Geschäftsführerin Ursula Juretzki-Mangold. 


Hielt am Messestand von Detax Vorträge: Ulrich Voogdt

Innovation aus Tradition bei Dreve 

In Halle 4A, rechts vom Haupteingang, präsentierte die Dreve Otoplastik GmbH in einem einladenden und informativen Ambiente ihre Highlights 2017 aus der Welt der digitalen Otoplastik- und Laborfertigung. Als Hersteller von Otoplastiken begleitet Dreve die Hörsystemversorgung seit vielen Jahren vollkommen digital: Angefangen vom Einscannen der Ohrabformung über die Onlinebestellung bis hin zur digitalen Produktion des gesamten Otoplastik-Portfolios. Das Otoplastik-Bestellportal SmartOrder spielt dabei eine wichtige Rolle und wurde um weitere Zusatzfunktionen ergänzt, damit das Bestellen noch einfacher und komfortabler wird. Der Hörakustiker kann nun zum Beispiel den Status seiner Bestellung online mit der Statusfunktion abrufen und weiß so genau, wann die Otoplastik im Fachgeschäft eintrifft.  Ein weiteres Highlight stellte die Universal-Otoplastik RIC unifit dar, die zu vielen Ex-Hörer-Systemen auf dem Markt passt. Die hauchdünne RIC-Air-Otoplastik aus VarioTherm® und FotoTec® zeichnet sich durch eine Wandstärke von < 1 mm aus und kann nahezu unsichtbar im Ohr getragen werden. Außerdem stellte Dreve auch wieder sein umfassendes Produktportfolio an 3D-Materialien für die digitale Herstellung von Otoplastiken, IdO-Schalen und Castformen vor, neben dem bewährten Produktportfolio an Abformmaterialien für jede Situation. Ein umfassendes Angebot an speziell gefertigten Gehörschutz-Otoplastiken mit verschiedenen Filtersystemen sowie die OtoVita® Pflegeserie für Hörsysteme rundeten das Dreve Produktportfolio ab. 


Dreve präsentierte Highlights aus der Welt der digitalen Otoplastik und Laborfertigung


Neue Mitspieler bei Pro3dure

Als neue wichtige Bausteine der pro3dure-Prozessketten wurden auf der EUHA 2017 erstmals der 3D-Drucker Asiga Max in Kombination mit der Hightech-Nachhärteeinheit CD-2 vorgestellt. Diese beiden Teamplayer bieten maximale Produktivität bei minimalem Platzbedarf zu einem aktuell unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis. Die Asiga Max bietet mit einer xy-Auflösung von 62 µm und einer 385 nm UV-Bestrahlungsquelle professionelle Bauqualität auf höchstem Niveau. Mit diesem Allrounder können das komplette Materialportfolio der Firma pro3dure genutzt und somit alle im Labor anfallenden Aufgabenstellungen bearbeitet werden. Den perfekten Mitspieler in der pro3dure Prozesskette stellt laut Geschäftsführer Dr. Martin Klare die Nachhärteeinheit CD-2 dar. Abgestimmt auf die neueste Generation von 3D-Druckern zeichnet sich die CD-2 durch aktuellste LED-Belichtungstechnologie mit unterschiedlichen Wellenlängen aus. Eine ausgeklügelte Sensorik in Kombination mit diversen Smartfunktionen überwacht konstant den Schutzgasfluss und die Strahlungsleistung. Zusätzlich lässt sich die Einheit über Wifi mit 3D-Druckern koppeln, um QM-relevante Daten wie Belichtungsparameter, Anwender etc. zu übermitteln.  Neben diesen Highlights konnten Kunden die weiteren Ergänzungen des pro3dure Materialportfolios am Stand begutachten. So ist die GR-Serie nun um mehrere Farbtöne für Otoplastiken erweitert worden und weitere Farben des Lackes L-1 für IEM Anwendungen erhältlich. Entsprechend gab sich Geschäftsführer Dr. Martin Klare bereits am zweiten Messetag sehr zufrieden. „Wir waren uns schon im Vorfeld der EUHA 2017 darüber bewusst, dass unsere Neuheiten gut bei unseren Kunden ankommen würden. Mit einem solchem Andrang haben wir auf dem Kongress jedoch nicht gerechnet. Wir sind aus den Gesprächen gar nicht mehr herausgekommen.“ 


Neuheiten für die „Muse“- und die „Halo“-Familien bei Starkey 

Der Messestand von Starkey Hearing Technologies in Halle 4A gehört an allen drei Tagen zu den gut frequentierten. Ständig befinden sich die deutschen Mitarbeiter in Kundengesprächen. Zudem sind große Teile der Unternehmensspitze aus Eden Prairie, Minnesota, angereist, darunter President Brandon Sawalich, Chief Technology Officer Achin Bhowmik Ph. D. sowie Gründer und CEO William „Bill“ Austin. Ebenfalls aus den USA nach Nürnberg gekommen ist Jason Galster Ph. D. Der Senior Manager of Audiology Research bei Starkey hat den Weg zum 62. Internationalen Hörakustiker-Kongress auf sich genommen, um am Donnerstag und Freitag je einen Vortrag im Rahmen des Kongressprogrammszu halten. Aber auch am Starkey-Stand kann man ihn treffen, wo er, zusammen mit der deutschen Produktmanagerin Sylvie Gerber, Fragen zu aktuellen und kommenden Produkten beantwortet. So präsentiert der amerikanische Hersteller zum Beispiel für seine „Muse“-Produktfamilie eine neue Kategorie im High-End-Einsteigersegment. Damit deckt die Reihe nun fünf Technologiestufen ab.

Ebenfalls neu in der „Muse“-Familie ist ein kleines RIC-System. Für sie präsentiert Starkey ein kleines neues 312er RIC. Und auch die „Halo 2“-Reihe bekommt Zuwachs und ist in dem kleinen 312 RIC-Gehäuse in fünf Technologiestufen verfügbar. „Das System verbindet sich direkt mit dem iPhone oder mit Android-Geräten“, erklärt Jason Galster. Gehe es allein um Daten, sei es „Made for All“. Audiodaten jedoch lassen sich weiterhin nur mit iOS-Geräten direkt streamen. Mit der entsprechenden App lässt sich das Smartphone freilich auch als Fernbedienung nutzen. Zudem wurde die App in ihrer Funktionalität erweitert, etwa mit „On Demand Noise Control“. „Drückt man in der App diese Taste, werden alle Noise-Management-Features mit voller Kraft aktiviert“, erzählt Jason Galster. Und auch ein Finetuning seiner Hörsysteme könne der Endkunde über die App vornehmen. Die Einstellungen lassen sich abspeichern. GeoTagging lässt sich ebenfalls mit der App realisieren.


Hielt im Rahmen des Kongressprogramms zwei Vorträge und präsentierte überdies die Starkey-Neuheiten am Messestand: Jason Galster Ph.D., Senior Manager of Audiology Research

Neben diesen neuen Produkten erhält man bei Starkey auch einen Ausblick auf Kommendes. „Dabei handelt es sich um Updates für unsere Synergy-Plattform, die wir im vergangenen Jahr vorgestellt haben“, setzt Jason Galster an. Die Weiterentwicklungen bestehender Plattformen nennt man bei Starkey „iQ“ und stehen in diesem Fall unter der Überschrift Acuity Immersion. So kündigt der Senior Manager of Audiology Research etwa neue Features für die „Muse“-Familie an, die das räumliche Hören weiter verbessern – auch für die CIC- und IIC-Systeme. Dafür verschiebt ein Algorithmus wertvolle Informationen aus den hohen Bereichen zwischen 8 und 10 KHz in niedrigere Bereiche, wo sie für den Kunden wieder hörbar sind. „Das gab es vorher für CIC- und IIC-Geräte nicht“, sagt Jason Galster. In Deutschland verfügbar sein werden die neuen „iQ“-Systeme von Starkey voraussichtlich im März 2018.
 


texteIn seinem Vortrag am heutigen Donnerstagvormittag hat Jason Galster hingegen nicht über Starkey-Produkte gesprochen. „Auf der Suche nach Spezifizierung kognitiver Screeningverfahren: MoCA vs. PNT“ stand für 11.00 Uhr auf dem Programm. Im Gegensatz zu einem Mitbewerber interessiert sich Jason Galster zwar dafür, die kognitiven Fähigkeiten von Endkunden bei der Anpassung zu berücksichtigen, setzt in seiner Forschung aber früher an. So geht es ihm darum, den Endkunden im Beratungsgespräch besser einschätzen zu können. „Die kognitiven Fähigkeiten des Kunden sollten unseren Umgang mit ihm bestimmen“, postuliert Galster. Habe er einen Kunden vor sich, der kognitiv stark ist, würde er mit ihm ein Gespräch führen wie wir hier auf der Messe. Er würde mit ihm über Technik sprechen und Zubehör empfehlen, weil er davon ausgeht, dass der Kunde damit etwas anfangen kann. Kognitiv weniger starke Kunden würde Galster dagegen langsamer an die Themen führen und immer darauf achten, sie inhaltlich nicht zu überfrachten. „Das kann jeder Akustiker schon morgen umsetzen“, sagt Jason Galster. Zudem würde es Termine sparen und das Erlebnis des Kunden verbessern. Der Königsweg für ein solches Screening sei aber noch nicht entdeckt worden. „Da wird sich noch einiges bewegen müssen“, fasst Jason Galster zusammen. Potenzial sieht er im MoCA-Test. „Da gibt es einige Punkte, die uns weiterhelfen könnten“, sagt er. Wer sich hierzu sowie zu audiologischen Themen auf dem Laufenden halten möchte, der kann das im Übrigen auf Jason Galsters Blog tun. Hier fasst er regelmäßig verschiedene wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die Audiologie in vergleichsweise einfacher Sprache zusammen.  

IAS nutzt Fachausstellung, um Preise zu verleihen
Zwischen den Messeständen herrscht am gesamten Donnerstag dichtes Gedränge. Unter den vielen Besuchern aus Deutschland und aller Welt sind heute auch Jürgen Leisten und Tannassia Reuber unterwegs. Die beiden Geschäftsführer des Individual Akustiker Service (IAS) tragen große Bilderrahmen mit sich herum. Darin eingerahmt sind die Urkunden für den von der Gemeinschaft ausgelobten Preis „Goldene Concha“, der 2016 ins Leben gerufen wurde. Um kurz vor 12.00 sind die beiden mit einigen ihrer Mitglieder auf dem Weg zum Stand von Oticon. Der Hersteller erhält 2017 die goldene Concha in der Kategorie „RIC“. Damit haben die Dänen ihren Titel in dieser „hart umkämpften“ Kategorie, wie Jürgen Leisten betont, verteidigt. Schon im vergangenen Jahr hatte das Opn die IAS-Mitglieder, die über die Gewinner der „Goldenen Concha“ abstimmen, von allen RIC-Systemen am meisten überzeugt. Weitere Auszeichnungen der IAS gingen an Starkeys „Muse“ in der Kategorie „HdO“, an ReSounds „LiNX 3D“ in der Kategorie „Produkt-Familie“, an Starkeys „SoundLens Synergy“ in der Kategorie „IdO“, Phonaks „Naída“ in der Kategorie „Power“ und an „Sky“ in der Kategorie „Kinder“. Zudem erhielt „Perfect Dry Lux“ die „Goldene Concha“ in der Kategorie „Trockenbox“. Den Sonderpreis als bester Hersteller erhielt zum zweiten Mal Starkey.

Hier geht es zum zweiten Teil der Messenachlese: KLICK


Tannassia Reuber, Torben Lindø – Oticon gewann zum zweiten Mal die „Goldene Concha” der IAS-Mitglieder für das beste RIC-System