Neue Produkte und Service-Tools – Rückblick auf die Industrieausstellung (Teil 1)

besucherrekord mit mehr als 8.000 Gästen


Torben Lindø, Martin Blecker und Dr. Roland Fleck, CEO der NürnbergMesse Group, bei der Eröffnung der Industrieausstellung

135 Firmen aus 21 Ländern zeigten während des 62. Internationalen Hörakustiker-Kongresses auf der Fachausstellung ihre Produktportfolios. Von kleinen Unternehmen bis zu den Playern, von Weltneuheiten bis hin zu bewährten Produkten – auf rund 15.000m2 in den Messehallen 4A und 3A konnte man vieles entdecken, was bald Einzug in die Fachgeschäfte halten könnte – wenn es sich dort nicht schon längst etabliert hat. Darüber hinaus zeichnete sich in einigen Gesprächen ab, wohin sich die Branche künftig entwickeln könnte. Ein Rückblick.

Schon am Mittwochvormittag ist die Industrieausstellung gut besucht. An den beiden folgenden Tagen werden einige Aussteller von einem für sie sehr gut gelaufenen Eröffnungstag sprechen. Davon, dass der Andrang auf den Internationalen Hörakustiker-Kongress nach dem Besucherrekord mit mehr als 8.000 Gästen im vergangenen Jahr nachlassen würde, ist in Nürnberg nichts zu sehen. Die Europäische Union der Hörakustiker e.V. (EUHA) spricht im Nachgang des Kongresses 2017 gar von einem „Blockbuster der Branche“. Sie zählte „rund 8.300 Kongressteilnehmer aus 83 Ländern“. Das ist ein neuer Besucherrekord. Damit ist der Kongress wohl endgültig als das weltweit wichtigste Event der Branche anzusehen.
 
Die Industrie nutzte die Fachausstellung entsprechend als riesiges Schaufenster. Und dabei wurde einmal mehr deutlich, dass es ihr nicht nur um neue, bessere Produkte geht. Es geht ihr auch darum, ihren Kunden mehr Werkzeuge und Möglichkeiten für einen bestmöglichen Service an die Hand zu geben. So bieten nun nicht nur beinahe alle Hörsystem-Hersteller Akku-Lösungen und weiter verbesserte Möglichkeiten in puncto Konnektivität an. Auch die Themen Service und Beratung gewinnen in der Industrie weiterhin an Bedeutung. Überdies rauscht im Hintergrund das Thema Over-the-Counter-Geräte, das, wie sich in einigen Gesprächen abzeichnet, Einfluss nehmen könnte auf die eben erwähnten Felder der Beratung und des Service der bzw. für die Verbraucher. Aber dazu später mehr.


„Hören macht schön” – Peter David Schaade mit Widex-Testimonial Tanja Bülter am Messestand von Widex

Verschiedene Neuheiten bei Widex

Der Messe-Donnerstag wird von vielen Ausstellern „Großkampftag“ genannt. An diesem Tag verzeichnet die Fachausstellung des EUHA-Kongresses für gewöhnlich die höchste Besucherfrequenz. An vielen Messeständen löst das eine spürbare Euphorie aus. „Der Donnerstag ist der Tag, den ich am meisten liebe“, sagt auch Peter David Schaade am Donnerstagmorgen. Dabei begann der 62. Internationale Hörakustiker-Kongress für den CEO der Widex Hörgeräte GmbH und Regional Vice President Global Sales Western Europe & South Africa Widex A/S bereits bestens. Die neue Widex-Kooperationspartnerin Tanja Bülter hatte am Mittwochmorgen nicht nur der Presse ihren neuen Blog hoerenmachtschoen.de vorgestellt, den sie seit Anfang Oktober für Widex betreibt. Die Moderatorin war auch im Rahmen der feierlichen Kongresseröffnung zusammen mit dem Schauspieler Fritz Wepper aufgetreten und hatte vor versammelter Branche von ihren Erfahrungen mit Widex-Hörsystemen gesprochen.

Am Donnerstagmorgen sitzt Tanja Bülter mit Peter David Schaade in einem der Besprechungsräume des Widex-Messestandes und stellt den Audio Infos Hören macht schön by Tanja Bülter vor. „Der Blog nimmt die Leute mit in meinen Alltag“, sagt sie. So gewährt die Moderatorin und Bloggerin nun authentische Einblicke in ihr Leben – als Hörsystemträgerin. Zum Beispiel zeigt sie den Usern in einem kurzen Film ihren Lieblingsklamottenladen, nimmt sie mit auf einen Spielplatz und stellt so, ganz nebenbei, den Nutzen von Hörsystemen in ihrem Alltag heraus. Neben Bewegtbildbeiträgen gibt es auch Textbeiträge. Einer hat zum Beispiel die Überschrift „Hörsystem statt Botox“. In dem Artikel klärt Tanja Bülter auf, warum Hören tatsächlich schön mache: „Ein ratloser oder angestrengter Gesichtsausdruck macht eben niemand schöner“, so die These der Berliner Society- und Stilexpertin.


Eine der Neuheiten bei Widex: Anfang kommenden Jahres wird mit Beyond Z die Akku-Lösung des Herstellers auf den Markt kommen

Peter David Schaade verspricht sich von dem in die neue Widex-Homepage eingebetteten Blog nicht nur eine längere Verweildauer der User. Tanja Bülters Beiträge sollen auch dafür sorgen, potenzielle Kunden neugierig zu machen. „Unser Ziel ist, die Endkunden schneller abzuholen und zum Hörakustiker zu lotsen“, sagt er. Mit der neuen gezielten Nutzerführung der Website und des Blogs „führen wir den Endverbraucher zur Lösung seiner Hörprobleme und zeigen ihm, wie und wo er dabei Unterstützung bekommt“, erklärt Schaade. „Für unsere Kunden ist das Lead-Generation pur.“

Darüber hinaus erwartet die Widex-Kunden am Messestand aber nicht nur ein „super Portfolio“. Der Hersteller präsentiert auch drei Neuheiten: Allen voran das wiederaufladbare „Beyond Z“, das mit einem Silber-Zink-Akku betrieben werden kann. „Das ist das erste System mit 2,4 GHz und extrem Low Energy“, sagt Schaade. Eine Akku-Ladung halte über 24 Stunden, selbst wenn man vier oder fünf Stunden telefoniere oder Musik streame. Für die hohe Stromeffizienz und damit auch die lange Laufzeit sorge die „Power Saver Plus Technology“ von Widex. „Die ist sehr wichtig, denn wir wollen, dass der Kunde flexibel und unabhängig ist“, so Schaade. Für die Entwicklung ist Widex eine Allianz mit dem amerikanischen Unternehmen ZPower eingegangen. Deren Silber-Zink-Akkus gelten als „absolut sicher“. Und wenn der Akku leer ist und man keine Ladestation dabei hat, kann man immer noch eine normale Hörsystem-Batterie einlegen. Die Ladestation ist beim „Beyond Z“ dabei. Steckt man die Systeme in die Ladestation, schalten sich die Hörsysteme automatisch ab. Der Ladevorgang für 24 Stunden Power dauert vier Stunden. Zieht man die Systeme wieder aus der Station, schalten sie sich automatisch wieder ein. „Sehr praktisch, da hat ZPower einen guten Job gemacht“, lobt Peter David Schaade. Erhältlich sein wird das „Beyond Z“ Anfang kommenden Jahres.

Die zweite Neuheit am Widex-Stand ist das neue „Phone-Dex powered by Gigaset“. Bislang in Eigenregie realisiert, hat der Hersteller für die zweite Generation seines schnurlosen Festnetztelefons eine Allianz mit Gigaset geschmiedet. „Das ist Hightech, absolut auf dem neuesten Stand“, eröffnet Peter David Schaade. Es lasse sich ganz einfach bedienen, hat einen Anrufbeantworter, Panorama-Display und eine SOS-Taste, über die in Notfällen automatisch mehrere Nummern angerufen werden können. Zudem koppelt es sich ganz automatisch drahtlos mit Widex-Hörsystemen. Will man mit dem „Phone-Dex“ telefonieren, muss man es nur kurz in die Nähe der Hörsysteme halten, schon bekommt man das Gespräch automatisch binaural gestreamt. „Das ist ein wichtiger Punkt“, sagt Peter David Schaade. „Hört man das Telefonat mit beiden Ohren, hat man ein um bis zu 22% besseres Sprachverstehen, das ist wissenschaftlich nachgewiesen.“ Auf Wunsch können mit der „Room off“-Taste auch sämtliche Umgebungsgeräusche stummgeschaltet werden. Ein charmantes Extra für die Hörakustiker ist der Demomodus für die Präsentation des Telefons im Beratungsgespräch: Beim Praxistest im Ladengeschäft streamt das Telefon interessierten Kunden die Stimme von Mario Adorf in ihr Hörsystem, der hierfür extra eine passende Textpassage eingesprochen hat. „Das neue „Phone-Dex“ wird ab Februar 2018 erhältlich sein.

Als dritte Neuigkeit stellt Widex eine Tinnitus-App vor. „Man kann sich in der App über Tinnitus informieren, es gibt Entspannungsübungen, Zen- und Naturklänge sowie verschiedene Rauschvarianten, mit denen man gezielt vom Tinnitus ablenken kann“, erklärt Peter David Schaade. Um die hören zu können, muss man bloß Kopfhörer in sein Smartphone stecken, Hörsysteme sind nicht erforderlich. „Die App ist sehr attraktiv“, ergänzt Schaade. Eines der Hauptziele, das man mit der App verfolgt, ist freilich, auch mit ihr die User zum Hörakustiker zu lotsen, um sich von ihm beraten zu lassen und einen Hörtest zu machen. Die App steht seit dem 1. November kostenlos im App-Store und bei Google Play zum Download bereit. Mit diesen Neuigkeiten unterstreicht Widex einmal mehr nicht nur seine Kernkompetenz als Hersteller, sondern stärkt auch weiter seine Kunden: die Hörakustiker.